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reicht, so ist es gleichgültig, was für eine Rechnungseinheit man
der Wertvergleichung zugrunde legt; vor allem kommt es darauf
an, den Marktpreis grundsätzlich in eine „Sozialtaxe“ (Schäffle)
umzuwandeln.
Diese Umwandlung ist theoretisch durchaus denkbar, und
über ihre praktische Brauchbarkeit kann noch kein einwand-
freies Urteil gefällt werden; es läßt sich indes in der heutigen
Wirtschaft die ausgesprochene Tendenz feststellen, die Marktpreis-
bildung durch taxmäßige Feststellungen zu verdrängen (Höchst-
und Richtpreise, Lohntarife, Diskontsatz der Zentralnotenbank und
ähnliches).
Den Gedanken der Sozialtaxe hat Mises in seinem Aufsatz gar
nicht ins Auge gefaßt; wie die zuletzt angezogene Stelle zeigt, begnügt er sich
mit der Behauptung, daß zu einer Preisbildung — ohne welche wicderum
eine Wirtschaftsrechnung und überhaupt eine rationelle Wirtschaft unmöglich
sei — das „Sondereigentum an den Produktionsinitteln‘“ die notwendige
Voraussetzung bilde. Es ist indessen nicht einzusehen, weshalb der gesell-
schaftswirtschaftliche Wert der Kohle, welche die Kohlengemeinschaft an
die Eisengemeinschaft liefert, nur dann feststellbar sein soll, wenn ‚die
beiden Gemeinschaften Eigentümer der Produktionsmittel ihrer Betriebe‘
sind. Nach Mises kommt außer der kapitalistischen nur noch die Lösung
äer Arbeitswerttheorie in Frage, die freilich nicht ausreicht (vgl. oben 6. Kap.,
III). Die Sozialtaxe, den verhältnismäßig am besten durchdachten Vorschlag
in dieser Richtung, erwähnt Mises mit keinem Wort, obwohl Schäffle
bereits eine recht klare Vorstellung davon gegeben hat: „Öffentliche Organe
der Produktionsgewerkschaften und Vertreter der Konsumenten (etwa die
Lagerbehörden, bei welchen die Bedarfe zum Übergang in den Konsum liegen),
müßten zusammentreten, täglich, wöchentlich, monatlich, je nach den be-
sonderen Umständen. Ihnen wäre durch die Zentralstelle der Prcduktions-
buchhaltungen bekannt, den wievielten Teil der sozialen Arbeitszeit eine
bestimmte Menge einer bestimmten Güterart (zu bestimmter Zeit an bestimmte
Orte geliefert) kostet. Bei einem den Vorrat übersteigenden Stand und
hoher Dringlichkeit der Nachfrage müßte die Taxe höher als der durchschnitt-
liche Arbeitskostensatz angesetzt werden, im umgekehrten Falle niedriger...
Die Taxen müßten nicht für das ganze Land gleich sein, sondern könnten
für Orte, welche höhere Kosten verursachen, höher angesetzt und auch aus
sonstigen Rücksichten der Gesamterhaltung und Gesamtentwicklung viel-
fach modifiziert werden. Die Taxorgane würden mit den Prcduktionszentral-
stellen behufs Ausdehnung oder Einschränkung der Produktion und mit den
Ablieferungsmagazinen behufs der Bekanntmachung der Taxsteigerungen
und Taxminderungen zum Zwecke der Anregung von Veränderungen in den
Bedarfen in Verkehr treten... Die Veränderung läge darin, daß, während
jetzt jeder Käufer private Wahlinstanz über rivalisierenden Privatangeboten
und jeder Verkäufer private Wahlinstanz über konkurrierenden Privatnach-
fragen ist, eventuell auch öffentliche Organe der Wertbestinumung auf Grund
der einheitlich gesammelten Tatsachender Bedarf{s-
and der Arbeitsrivalitäten auftreten und auf die Ausgleichung