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schlag bringt. Auf diese Weise verschwindet das Papiergeld immer mehr
zus dem Umlauf, Selbstverständlich ist ohne Anweisungen niemand be-
zugsberechtigt, da ja sonst die Rationierung nicht eingehalten werden könnte.
Das erwähnte Arbeitsbuch bietet jederzeit einwandfreien Aufschluß über die
Art der Buchungen, die Höhe der Löhne, sowie die progressiv sich steigernden
Verpflegungs- und Ausstattungsanteile. Letztere bewegen sich ganz im
Rahmen gleichheitlicher, durch dıe Endsumme der jeweils zur Verfügung
stehenden Produktionsergebnisse begrenzter Zuweisungen pro Person. Jede
Vergrößerung der Gesamtausbeute in Industrie und Landwirtschaft spiegelt
sich demnach automatisch wieder in der aufwärtsstrebenden Kurve der
Lebenshaltung‘‘ (S. 5/6).
Für Österreich macht Lederer ähnliche Vorschläge; er
denkt sich den Naturallohn namentlich unter Heranziehung „sozialisierter
bzw. organisierter Produktionen‘ (mit Hilfe der „‚Zentralstellen der einzelnen
Wirtschaftszweige‘“) verwirklicht, und zwar vermittelst eines Gutschein-
und Verrechnungssystems (Wiederaufbau, S.ı15f1lg). In Ungarn konnte
die Räteregierung ihr Geldsystem neben dem bislang herrschenden nicht
behaupten (Vargo, 5. 120{flg.).
Endlich wird in Deutschland die naturale Entlohnung mit
Rücksicht auf die im letzten Winter so stark gestiegenen Preise als ein Gegen-
gewicht gegen die Teuerung in Betracht gezogen. Bemerkenswert ist in dieser
Richtung ein Aufsatz Heinz Po tthoffs in der Mannheimer „Neuen
Badischen Landeszeitung‘“ (Morgenausgbabe vom 12, April 1920): „Die Mil-
‚ionen der Lohnempfänger und die Millionen der Hausfrauen müssen sich also
klar werden, daß wir vor einem Wendepunkte stehen, der dıe Wirtschafts-
lage sehr verschlechtern muß, wenn sie ihn nicht zur Verbesserung ausnutzen
„.. Ablehnung unberechtigt hoher Preise, 01 ganisierter Boykott alles wuche-
risch Verteuerten ... Konsumentenstreik! ... Geschieht das nicht, dann
oleibt nur noch ein letzter Ausweg: Rückkehr zur Naturalwirtschaft. Die
Millionen der Lohn- und Gehaltsempfänger müssen unabhängig werden
vom Schwanken des Geldes in seiner Kaufkraft . . . Beamte, Angestellte
und Arbeiter erhalten die wichtigsten Lebensmittel, Kleidungsstücke, viel-
leicht auch die Wohnung von den Arbeitgebern in Natur geliefert und zu einem
festen Satze auf den Lohn angerechnet . .. Die Fachverbände der einzelnen
Industriegruppen können einen Austauschverkehr vereinbaren... Die Arbeit-
achmer können selbst an der Durchführung des Planes teilnehmen, Betriebs-
räte, Arbeitsgemeinschafte., Konsumvereine müssen herangezogen werden;
1ur im Zusammenwirken der Arbeitnehmer mit den Arbeitgebern läßt der
Gedanke sich verwirklichen.‘
b) Für den Fall, daß die naturale Zuweisung der Anteile zu
umständlich werden sollte (freie Berufe!), könnten auch körperliche
Zahlungsmittel angegeben werden; diese würden indes nur hilfs-
weise und vorübergehend gelten und vor allem stets in der „Kauf-
breite“ beschränkt sein: das „allgemeine Umtauschmittel“ wäre
selbst hier noch auf eine kurzfristige Naturalanweisung zurück-
geführt. Der etwaige Güteraustausch mit dem Auslande könnte
'm naturalen Kompensationsverkehr bewältigt werden; Gold