Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

oder ähnlich dauerhafte Güter könnten daneben als „Spitzenaus- 
gleich“ verwandt werden. 
Die Einzelheiten hierüber vergleiche oben 4. Kap., II/IV. Ferner fin- 
den wir auch in dieser Frage bei Schäffle sehr klare Vorstellungen: 
„Nach Gewerkschaften und Bezirken gegliedert, könnte jede gesellschaftliche 
Produktionsanstalt ihre Gesamtarbeit unter Kontrolle besonderer Organe der 
Gesellschaft buchen, Alle Arbeitsguthaben könnten in Gewerkschafts- und 
Provinziai-, endlich in Zentral-Buchhaltung zusammengezogen werden, Die 
Summe aller Arbeitstage könnte also annähernd präliminiert, daraufhin Arbeits- 
leistungs-Zeitgeld ausgegeben und durch Liquidation bei den gesellschaftlichen 
Gütermagazinen wieder eingezogen werden ... Der Verkehr mit dem Aus- 
land könnte natural bzw. durch öffentliche Edelmetallreserven vollzogen 
werden. Die Privatleistungen, welche nicht öffentlich organisiert wären. 
könnten von jedem Teilhaber der Kollektivproduktion durch Abtretung 
eines Teils seiner Arbeitszertifikate, die ja zugleich Bezugsanweisungen wären, 
vergolten werden, wie heute öffentliche (der Gesellschaft geleistete) Arbeit 
umgekehrt durch hartes Geld bezahıt wird‘ (Bau, III, S. 340). 
Das Entscheidende ist auch hier wieder nicht die technische 
Gestaltung des Umtauschmittels — sein Stoff, seine Stückelung —, 
sondern die Eigenschaften. welche es von dem bisherigen Geld 
unterscheiden: vor allem, daß es niemals nur formale, vorgebliche 
Kaufkraft verkörpert, sondern stets der gesamte Gütervorrat der 
Gesellschaftswirtschaft dahinter steht. 
Schäffle drückt dies so aus: „‚Die Zu- und Abnahme der Er- 
werbsmächtigkeit („Kaufkraft“) würde genau und allgemein im 
Maße der zunehmenden und abnehmenden Produktivität der Nationalarbeit 
stattfinden. Es wäre in ihm ein ideaies Mittel für Ausgleichung der Störungen 
und für gerechtere Regelung vieler Veränderungen im standard of life gegeben. 
Die Gutschreibungen für die Zukunft und Guthaben aus der Vergangenheit, 
welche für individuelle Bedarfe in sozialen Versicherungs-, Versorgungs- und 
Gegenseitigkeits-Anstalten nun ohne das Mittel spekulativen Bankbetricbs 
stattfinden könnten, hätten hieran oftenbar keine üble Basis . .. Die Ab- 
nahme der Kaufkraf{t des Arbeitstages fiele auf alle gleich 
mäßig und würde allgemein zu Erfindungen, zur Vorsicht im Eheschluß 
zur Kolonisation und anderen abweichenden und ausweichenden Anpas 
sungen anregen‘‘ (ebenda, S. 339). 
IV. 
In den angegebenen vier Leitsätzen (oben III) ist die ge- 
drängte Darlegung der praktischen Bedeutung und Begrenzung 
der geldlosen Wirtschaft versucht worden. Wie auch in der 
heutigen Geldwirtschaft (oben 2. Kapitel) „die historische Wirk- 
lichkeit immer nur als Herabsetzung‘ des reinen Geldbegriffes auf-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.