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tritt‘“ (Simmel), so zeigt sich das Zukunftsbild gleichfalls mit
starken „Erdenresten“ behaftet. Die Praxis des täglichen Lebens
verwirklicht niemals die reinen Wesenheiten der Typen; diese sind
hier stets umkleidet von „Akzidentellem“, von einer Unzahl „Mit-
gegebenheiten“ (Husserl). Galt es, im Verlauf der Arbeit zu-
nächst die typischen Gegensätze von Geldwirtschaft und geldloser
Wirtschaft festzustellen, so kann und muß nunmehr auf die fließen-
den Übergänge hingewiesen werden. Beides ist für die ab-
schließende Beantwortung unserer Hauptfrage gleich wichtig;
denn je nach dem Gesichtspunkt der Betrachtung wird die Ant-
wort verschieden ausfallen.
Kann das Geld abgeschafft werden? Nur in mehrere Sätze
zerlegt, läßt sich auf diese Frage eine einigermaßen zufrieden-
stellende Antwort erteilen:
ı. Bei nur theoretischer Untersuchung ihrer grundsätzlichen
Eigenart erkennen wir die Geldwirtschaft und die geldlose Wirt-
schaft (Naturalwirtschaft) als zwei selbständige, gegensätzliche
Typen von Wirtschaftsordnungen: jene als Verkehrs-, diese als
Verwaltungswirtschaft.
Auf ihre praktische Verwirklichung hin betrachtet, erweisen
sie sich jedoch durch gewisse Übergänge verknüpft: Geldverwaltung
in der Verkehrswirtschaft (Notenmonopol, Diskontpolitik), Natural-
verkehr in der Verwaltungswirtschaft (teilweiser Austausch der
zugewiesenen Güter unter den Genossen).
2. Keinesfalls kann das Geld schlechthin abgeschafft, d. h.
mit einem Schlage durch Vereinbarung oder obrigkeitliche An-
ordnung beseitigt werden. Höchstens kann es „durch die Auf-
hebung des Warencharakters der Arbeitsprodukte, weil überflüssig,
in Wegfall kommen“ (Bebel), Eine lange Entwicklungszeit
würde dazu erforderlich sein, und gewisse Reste des alten Zu-
standes dürften auch nach deren Ablauf noch verbleiben.
„„Selbstverständlich denken wir nicht daran, daß diese Ordnung
über Nacht an Stelle der Marktpreisbildung treten und jemals zu
ausschließender Geltung gelangen könne. Nur eine langsame
Arbeit der Geschichte kann im Weg der vervollkommnenden Auslese einst
dahin führen. Und auch dann würde die privatwirtschaftliche Tausch-
wertbildung für einen Teil der Bedürfnisbefriedigungen übrig bleiben, für per-
sönliche Dienste, Flickarbeit, naturgemäß kleinwirtschaftliche Betriebe.
Auch wenn die Geldwirtschaft in der Hauptsache durch den Sozialismus
verdrängt wäre, würde nichts hindern, ihre guten und brauchbaren Reste
diesem letzteren anzufügen“ (Schäffle. Bau. III. S. 23561.