Papiergeld beseitigt werden kann, oder ob umgekehrt die Metall-
deckung entbehrlich ist, sondern das Problem erstreckt sich auf
alle aus der Erfahrung und sogar nur phantasievoller Einbildung
bekannten Einzelfälle von Geld überhaupt. Ja, wir müssen sogar
noch einen Schritt weiter gehen: nicht auf die Einzelfälle — seien
sie noch so zahlreich — ist der Blick zu richten, sondern auf
„das Geld schlechthin“, auf sein Wesen.
Zwei Gefahren drohen hier ständig: auf der einen Seite
die willkürliche Einengung, auf der anderen eine zu weite Fassung
des Begriffs. Die meisten Geldtheoretiker haben nur den Kreis
der Erfahrungstatsachen ihren Untersuchungen über das Wesen
des Geldes zugrunde gelegt und selbst diesen Kreis mitunter noch
zu eng gezogen; die Folge ist, daß ihre Lehren nur für die von
ihnen betrachteten Geldarten, nicht aber das Geld schlechthin
Gültigkeit haben. Sogar dort aber, wo die tatsächlichen Grund-
lagen der Theorien übereinstimmen, finden wir noch völlig aus-
sinandergehende Meinungen in dem Urteil darüber, was in dem
betrachteten Erfahrungs- und Vorstellungsbereich dem Gelde
„wesentlich“ ist, ihm „notwendig“ zugehört, und was andererseits
nur „zufällig“ mit ihm in Verbindung steht; fast jeder bedeutendere
Forscher hat die Grenzlinie zwischen Wesenhaftem (Eigentüm-
l'ichem. Spezifischem) und Zufälligem (Akzidentellem) anders gezogen.
Um nur wenige Beispiele zu geben: Gruntzel hält das Geld
seinem Wesen nach für eine „zum allgemeinen Tauschmittel erhobene Ware‘‘,
wobei er die Ware definiert als den „Träger eines Gebrauchswertes, der Tausch-
wert erlangt hat“ (S, 11). Schumpeter bemerkt hiergegen, daß ‚,aller-
dings der Gebrauchswert des Stoffgutes die geschichtliche Grundlage ab-
zibt, auf der das Geld ein bestimmtes Tauschverhältnis zu den anderen
Zütern gewinnt, daß aber sodann sein Wert für jedes Wirtschaftsobjekt
und sein Preis auf dem Markte sich von dieser Grundlage entfernen kann
und tatsächlich entfernt‘ (Theorie, S. 73). Noch schärfer ist die Gegen-
iberstellung von Ware und Geld bei Wieser: „Die Ware ist das Produkt
auf dem Wege zum letzten Abnehmer, der es nicht mehr weitergeben, sondern
ın seinem Gewerbe oder Haushalte brauchen und verbrauchen will. Anders
als das Geld, das immer neu ausgegeben wird und in jeder Hand seinen
Charakter behält, streift die Ware ihren Charakter ab, sobald sie in die letzte
Hand gelangt ist‘ (S. 250). Auch Spann wendet sich gegen die Waren-
theorie: „Nur die gemeinsame Handlungsweise, die hinter jedem
Geldstück steht, und deren Erscheinungsform jedes Geldstück bloß ist, nur
jene Einrichtung als gemeinsame Mithilfe bei jedem Kauf, jeder Zahlung ist
das Geld und damit eben mehr als Ware — ein Werkzeug höherer
Ordnung!‘ (S. 142). Ähnlich Stephinger: „Die Ware wird in der Ab-
sicht in Tausch genommen, sie in eine andere Erscheinungsform überzu-
jühren. Geld wird in Tausch genommen, um es in seiner Form zu lassen und