Full text : Kann das Geld abgeschafft werden?

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allgemein geworden war, erscheint es dann am zweckmäßigsten, dieses Gut
und kein anderes zu thesaurieren‘‘ (Theorie, S. 11). Karl Menger, an
den sich Mises auch hier anschließt, hat aber gerade umgekehrt behauptet,
daß die besondere Eignung und Verwendung des Geldes zur Schatzbildung
„eine der wichtigsten Ursachen seiner Marktgängigkeit und somit seiner
Eignung zum Tauschmittel gewesen sei‘ (S. 581). Dieser ganze Streit berührt
 nur die sozialpsychologische Frage des Geldverkehrs und der
Geldhortung und hat somit höchstens „vor-wirtschaftliche‘‘ Bedeutung.
Wirtschaftlich begründet ist hingegen der beißende Spott, mit dem
Marx den mit der ‚„Schatzbildung‘‘ erstrebten „abstrakten Reichtum‘‘
geißelt: „Unser Schatzbildner erscheint als Märtyrer des Tauschwerts, heiliger
Asket auf dem Gipfel der Metallsäule. Es ist ihm nur um den Reichtum in
seiner gesellschaftlichen Form zu tun, und darum vergräbt er ihn vor der Gesellschaft
 ... Er schwärmt für den Tauschwert, und darum tauscht er nicht
aus... In seiner eingebildeten, schrankenlosen Genußsucht entsagt er allem
Genusse: Weil er alle gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigen will, befriedigt
 er kaum die natürliche Notdurft. Indem er den Reichtum in seiner
metallischen Leiblichkeit festhält, verdunstet er ihm zum bloßen Hirngespinst‘'
(Kritik, S. 132).
2. Die ohnehin rätselhafte „Werterhöhung“ des aufgespeicherten
Talers wird noch auffallender im Hinblick auf die allgemeine „Geldentwertung“,
 die uns nun seit geraumer Zeit schon mit unverkennbarer
 Deutlichkeit vor Augen steht. Infolge der durchschnittlich
 etwa 7—800 % igen Steigerung sämtlicher Warenpreise — teilweise
 auch der Löhne und Gehälter — ist, so sagt man, das Geld
um ebensoviel entwertet worden, ist seine (objektive) Kaufkraft
entsprechend gesunken. Es entsteht damit die weitere Frage, auf
welche Gründe diese Wertminderung zurückzuführen ist; ob
insbesondere auch hier wieder nur die Verhältnisse auf der Warenseite
 schuld sind: die mehrjährige Gütervernichtung größten Maßstabes
 samt dem Brachliegen der Arbeitskräfte, — oder ob etwa eine
Überspannung des Geldumlaufes, eine mißbräuchliche Ausnutzung
des Umstandes, daß im Gelde nominale Kaufkraft verkörpert ist,
die Preissteigerung mindestens gefördert hat.

IIL
Wir stehen vor der doppelten Tatsache, daß die Kaufkraft
eines aufgespeicherten Talers sich bedeutend geändert (und zwar
erhöht) hat, obgleich der Geldstoff ebenso wie die Währung gleich
gebliebep sind, — andererseits in der ganzen Kulturwelt, ebenfalls
ohne Währungsänderung, eine mehr oder minder große Geldentwertung
 eingetreten ist; Tatsachen, die alle Theorien vom „Stoffwert“
 des Geldes und „absoluter Währung“ über den Haufen
werfen, Wie erklärt sich der Fall nach der hier vertretenen Auf-
            
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