Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

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lichkeit, Erkrankungswahrscheinlichkeit usw. zu berücksichtigen haben. 
Es wird wesentlich sein, welchen Schwankungen der Lebenshaltung die Ein- 
zelnen erfahrungsgemäß unterworfen sind. Mit reinen Zahlenangaben wird 
las Auslangen nicht zu finden sein, Beschreibungen werden ergänzend hinzu- 
‘reten müssen‘‘ (Vollsoz., S. 21/22; vgl. hierzuauch Bücher, II, S. 276). 
Dies ist die Schwierigkeit: alle Naturalrechnung im Wirt- 
schaftsleben hat es mit dem Verhältnis eines zu befriedigenden 
Bedarfs zu dem dafür verfügbaren Gütervorrat zu tun. Dieser 
Bedarf ist aber nicht mit Sicherheit festzustellen; eine „unmittel- 
bare Bedarfsstatistik“ ist der Natur der Sache nach unmöglich. In- 
des ist damit noch nicht über jede naturale Wirtschaftsrechnung 
das Verdammungsurteil gesprochen. Fehlt die Möglichkeit unmittel- 
barer Bedarfsfeststellung, so können wir doch immer noch wichtige 
Rückschlüsse auf die Gestaltung des Bedarfs aus den zahlenmäßig 
sehr wohl erfaßbaren Verbrauchsverhältnissen ziehen. Dies 
hat Neurath ebenfalls sehr wohl erkannt: „Die Konsumstatistik, 
welche bisher vielfach ein sozialpolitisches Anhängsel war, dürfte 
nun in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Interesses rücken“, — 
wenn man nur erst einmal die Möglichkeit ernstlich ins Auge faßt, 
daß „der wirkliche Bedarf unmittelbar auf die Produktion wirke“, 
und nicht mehr nur das einzelwirtschaftliche „Streben nach einem 
Maximum des Reingewinns“ maßgebend ist. 
In dieser Richtung fordert Neurath eine umfassende Wohl- 
habenheitsstatistik. Vor allem erscheint ihm der weitere Ausbau 
der Verbrauchsstatistik notwendig, ergänzt durch eine Nut- 
zungsstatistik, welche feststellen müßte, wieviele Kleider, Tische 
Bücher usw. benutzt werden . . .; auch die Bibliotheksbesuche, Zeitungs- 
lektüre, Besuch der Theater, läßt sich erfassen und verwerten“. Einen Teil 
der Nutzungsstatistik bildet auch die Behausungsstatistik. Weiterhin würde 
die Berechnung der „‚naturalen Passiva‘ der Wirtschaft durch 
Statistik der Arbeitszeit, Unfälle, Krankheiten, Gebrechen und Sterblich- 
keit zu vervollständigen sein. Es würden dann „alle Geldziffern oder auf 
Grund von Geldziffern berechneten Indexziffern . . . durch naturale Deu- 
tung einen Sinn für die Reichtumsbetrachtung erhalten‘ (Kriegsw., S. 143 
(44; ähnlich Vollsoz., S. 22). 
Die Konsumtionsstatistik in‘ dem geschilderten erweiterten 
Sinne ist wieder mit den übrigen Zweigen der Wirtschaftstatistik 
zu verknüpfen: „Produktion, Konsum, Export, Import, Vorrats- 
bildung werden im Zusammenhang mengenmäßig erfaßt“ und zu 
einer Universalstatistik vereinigt werden müssen, „welche in zu- 
sammenhängenden Übersichten ganze Länder, ja die Welt um- 
faßt ... Durch die Universalstatistik müßte jede Einzelstatistik erst 
Sinn und Bedeutung erhalten“ (Kriegw., S, 212). Eine solche
	        
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