ler Bedingung, daß Ihr Euch Eurerseits vom 20. bis zum 45. bezw. 50. Jahre
:aglich 4 oder 5 Stunden einer für die Lebenserhaltung als notwendig aner-
zannten Arbeit unterzieht. Wählt selbst die Gruppen, denen Ihr Euch
anschließen wollt oder konstituiert eine neue Gruppe, vorausgesetzt, daß sie
sich nur die Aufgabe stellt, das anerkannt Notwendige zu produzieren. Und
für den Rest Eurer Zeit vereinigt Euch zu Gruppen, mit wem Ihr wollt, —
zum Zwecke der Erholung in Vergnügungen, wissenschaftlicher oder künst-
lerischer Tätigkeit ganz nach Eurem Geschmack. ... Doch wenn keine der
Tausende von Gruppen unserer Föderation Euch aufnehmen will .., nun,
30 lebt als Isolierte oder wie die Kranken ... Man wird Euch betrachten
wie ein Gespenst aus der bürgerlichen Gesellschatt und Euch fliehen, wofern
nicht Freunde, die in Euch ein Genie entdeckt haben . ., Euch von jeder
moralischen Verpflichtung befreien, indem sie der Gesellschaft die Euch
zufallende, für die Lebenshaltung notwendige Arbeit für Euch mit leisten‘
/S, 120). Wie sich hieraus schon ergibt, will Kropotkin die „Gesell-
schaft‘ in lauter kleine „„Kommunen‘‘ auflösen, deren jede trotz des geringen
Umfangs und Landgebiets möglichst autark wirtschaften, Landwirtschaft
und. Industrie in gleicher Weise betreiben soll. Es gilt, die Arbeitsteilung
zwischen Stadt und Land wie zwischen den Völkern in weitestem Maße
aufzuheben: „Es ist notwendig, daß die großen Städte sich ebensogut wie
Jas flache Land der Landwirtschaft widmen‘‘ (S. 57), und wieder, „um das
Feld gut kultivieren zu können, müssen viele Eisenwerke und Manufakturen
in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ihre Rauchwolken ausstoßen‘. Dann
aber „wird der internationale Handel mit seiner Zufuhr fremdländischen
Getreides stillstehen, die Zirkulation der Waren und Lebens-
mittel gelähmt sein‘ (S. 154): Es ist ersichtlich, daß diese territo-
riale oder gar lokale Autarkie, die wirtschaftliche Unabhängigkeit so kleiner
Bevölkerungsmassen schon der mangelnden Rohstoffe wegen undurchführ-
bar ist, und Kropotkin rechnet daher selbst damit, daß ein Austausch
von Gütern sich doch nicht völlig vermeiden lassen wird. Allerdings soll er
sich auch dann nicht in den Formen des Marktverkehrs vollziehen oder
zwangsläufig geregelt werden, sondern ‚die Stadt wird die Bauern durch
Freunde, durch Brüder aufsuchen lassen, die zu ihnen sagen werden:
„Bringt uns Eure Produkte und nehmet dafür aus unseren Magazinen alle
Manufakturwaren, die Euch gefallen!‘ Dann werden die Lebensmittel
in Fülle herbeiströmen‘‘ (S. 55). Auch insoweit also wieder die Vorstellung
einer naturalen Verwaltungswirtschaft, wenn auch diesmal nicht „von oben
her‘, durch eine übergeordnete Instanz geregelt, sondern im Wege freier
Vereinbarung, in Form der Selbstverwaltung.
IV.
Nicht das Ziel trennt den obrigkeitlichen vom anarchistischen
Kommunismus, sondern sie stellen nur verschiedene Wege zu
einem gemeinsamen Ziele dar: der „befreiten“ gesellschaftlichen
Naturalwirtschaft. Bei den einen gilt nur der Zwang mit allen
notwendig werdenden Mitteln (Terror!) etwas, bei den andern da-
gegen „Hochherzigkeit“, „zegenseitige Hilfe“, „freie Vereinbarung“.