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besondere Belohnung für die geleistete Arbeit ansprechen kann‘ (A. Men-
ger, Recht, S. 157/158).
Ebenso wie ein Teil der zentralistischen Sozialisten eine nicht kommu-
nistische, sondern bloß „kollektivistische‘ Gemeinwirtschaft anstrebt (vgl.
unten 6. Kap.), so sind auch manche Anhänger des Gedankens der födera-
‘istischen Gemeinde der Ansicht, daß diese nicht notwendig kom-
munistisch wirtschaften müsse: die Fourierschen ‚„Phalanges“
z. B. sind lediglich eine Art erweiterter Boardinghouse-Aktiengesellschaften,
mit regelrechten Anteilscheinen und Dividenden, einem ‚„Gemeindekontor“‘
ınd dergleichen (vgl. Tugan, S. 138/139; Gide-Rist, S. 276flg.; Kro-
potkin, S. g2flg.; Muckle, I, S. 98flg.). Diese Art von Wirtschaft würde
ıatürlich ohne Geld nicht betrieben werden können.
Auch in der föderalistischen Kommune kommt ein Geld-
verkehr nicht in Frage, einfach wegen Mangels jeglichen Wirt-
schaftsverkehrs der Mitglieder. Der Bedarf jedes Einzelnen wird
von der Gemeinde unmittelbar festgestellt und gedeckt, zur Ent-
wicklung eines irgendwie bedeutenden Tauschverkehrs ist weder
Veranlassung noch Möglichkeit vorhanden. Innerhalb der Kom-
mune ist also auch hier das Geld völlig überflüssig. Freilich er-
schöpft sich damit die Frage nicht ganz, da die föderalistischen
Gemeinden nicht autark wirtschaften können — vgl, das oben über
die Kropotkinschen Gruppen Bemerkte —, sondern auf Zufuhr
von außen angewiesen sind,
„Die Gemeinden werden für Arbeiten, welche die Kräfte einer einzelnen
Gemeinde übersteigen, untereinander Bündnisse schließen‘‘ (Tugan, S.
[35, nach Owen). Auch Lenin erkennt dies an; er nähert sich den
Föderalisten, insoweit ihm nämlich „jede Fabrik, jedes Dorf als eine produk-
tiv-konsumierende Kommune erscheint, die das Recht und die Verpflichtung
hat, auf ihre Art das Problem der Berechnung, der Produktion und der
Verteilung der Erzeugnisse zu lösen“; nur muß zwischen diesen Kommunen
der „Wettbewerb organisiert werden: die Musterkommunen müssen und
werden den zurückgebliebenen Kommunen als Erzieher, Lehrer und Antreiber
lienen‘‘ (Autgaben, S. 32/33).
Bei einer systematischen Ausbildung des wirtschaftlichen
Wettbewerbs der Kommunen, wie sie Lenin vorschlägt — er will
sogar „die hervorragenden Kommunen unverzüglich belohnen“ —,
ist es wahrscheinlich, daß der Austausch von Gütern zwischen den
konkurrierenden Wirtschaftskörpern trotz anfänglich naturalwirt-
schaftlicher Gestaltung allmählich doch eine Preisbildung und damit
auch eine Geldorganisation notwendig macht. Die föderalistischen
kommunistischen Theoretiker wollen indessen grundsätzlich auch
im interkommunalen Verkehr die Naturalwirtschaft beibehalten
wissen; Thompson, der sich im wesentlichen an Owens Vor-
schläge anlehnt (II, S. 183 filg.), kommt aus diesem Grunde sogar
Cohn, Kann das Geld abeeschatlt werden?