Wie die Anführungen ergeben, sind Menger, Kautsky,
Tugan in einem zwiefachen Irrtum befangen:
ı. Sie erkennen den Doppelsinn des Wortes Preismaß nicht:
seine ganz verschiedene Bedeutung als Preisnorm und als Preis-
ausdruck. Sie begreifen nicht, daß auch am Markt das Geld
nicht durch seinen „Eigenwert“ die Preise bestimmt, sondern ledig-
lich das Rechenmittel ist; daß es nur den zahlenmäßigen Ausdruck
der Preise darstellt, die sich wesentlich aus dem Verhältnis von
Angebot und Nachfrage, d. h. von Vorrat und Bedarf an Sach-
gütern und menschlichen Diensten am Markte ergeben; daß das
Geld höchstens dann, wenn es zur Deckung eines rein wirtschaft-
lich nicht gerechtfertigten „Überbedarfs“ an Zahlungsmitteln aus-
gegeben wird, wenn es als Verkörperung „zusätzlicher“, nur „for-
maler“ Kaufkraft am Markte erscheint, dadurch die Preisbildung
vorübergehend beeinflussen kann (Adolf Weber).
Selbst die Lehre der ‚,Metallisten‘‘ braucht dieser Auffassung nicht
notwendig zu widersprechen: ‚‚Die Warenwerte werden doch nicht obrig-
keitlich fixiert, sie bilden sich im freien Wirtschaftsverkehr. Wie kann aber
dieser freie wirtschaftliche Tauschverkehr funktionieren, wenn nicht eine be-
stimmte Ware da ist, an der die Wertänderungen der anderen Waren ge-
messen werden?“ (Diehl, Fragen, S. 104). Wollte man hieraus folgern,
daß alle Warenwerte durch die ‚Ware Geld“ bestimmt werden, so wäre
dieser Schluß ebenso wenig zwingend, wie der, daß der in Paris aufbewahrte
Meterstab aus Platin alle Längen der Welt, die in Metern gemessen, d. h.
zahlenmäßig ausgedrückt werden, auch als solche Längen bestimme.
Kautsky, der die Natur des Metallgeldes als eines ‚„‚Wertgegen-
standes‘“‘ so stark betont, müßte schon als überzeugter Marxist sich von
diesem Irrtum längst freigemacht haben, Weist doch Marx bereits in
seiner Auseinandersetzung mit Proudhon (vgl. auch unten 9. Kap.) mit
Nachdruck auf den „kleinen Übelstand‘‘ hin, daß das Geld nicht nur nicht
die Ware aller Waren ist, sondern sogar „gerade Gold und Silber in
ihrer Eigenschaft als Münze (als Wertzeichen) von allen Waren die
einzigen sind, die nicht durch ihre Produktionskosten bestimmt wer-
den‘ (Elend, S. 66).
Daß also das Geld in der freien Marktwirtschaft durch seinen
„Eigenwert als Ware“ die Preise selbst wesentlich bestimme oder
auch nur mitbestimme, in der kollektivistischen Gemeinwirtschaft
dagegen als bloßes „Wertzeichen“ nur die anderweitig gebildeten
„festen Preise“ ziffernmäßig ausdrücke, — diese Unterscheidung
der kapitalistischen von der kollektivistischen Geldrechnung ist
vollkommen haltlos und beweist lediglich mangelndes Verständnis
für das Wesen der Geldrechnung in der Verkehrswirtschaft,
2. Der weitere Irrtum in den angeführten Lehrmeinungen
liegt darin. daß schon mit der bloßen Berücksichtigung der mannig-