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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
volle, den knappen Raum in geschicktester Weise ausnützende
Stempel sind.
An mein Kapitel über den Reim in der Reklame wird man
lebhaft erinnert, wenn man die Poststempel betrachtet, die aus
einer ganzen Anzahl Rheinorte in die Welt hinausflattern.
Noch vor einem Dutzend Jahren würde man wohl spöttisch ge-
lächelt haben bei dem Gedanken, daß es eine Zeit geben könnte,
da sogar der nüchterne, trockene Poststempel uns poetisch
kommen würde. Nachstehende Beispiele zeigen uns den
Siegeszug des poetisch gewordenen Poststempels. Den Anfang
soll St. Goar mit folgendem Reim gemacht haben: „Zieh nicht
vorbei an St. Goar, der Stadt, die allzeit gastlich war.“ Der
schon einmal zitierte Petersohn erzählt dann weiter: „Schon
der Römer sprach, nur deinen Wein ich mag“, so wirbt Neu-
magen für einen Moselwein. Trittenheim hat in seinem Post-
stempel stehen: „Weit über rheinisches Land ist unser Wein
bekannt.“ Von ÜUrzig heißt es: „Das Feinste der Reben kann
Ürzig dir geben.“ Der Poststempel von Zeltingen sagt von
seinem Ort: „Wie köstlich dein Wein, wie schön dort zu
sein.‘ Kurz und kernig rühmt Saarburg seinen Nahewein:
„Deutsch die Art, deutsch der Wein.‘“ Der Höhenluftkurort
Nideggen, ehedem sehr berühmt, führt in seinem Poststempel
die Verszeilen: „Die schönste der Burgen, die herrlichste Au,
komm selber und schau.“ Oberwesel rühmt sich als „Der
Romantik schönsten Zufluchtsort am Rhein“. Von Daun heißt
es: „Daun im Eifelland beim Kratersee, im Tannenwald auf
Bergeshöh’.‘“ Hann.-Münden hatte in dem Festpoststempel einer
Ausstellung stehen: „Der Weserstein, wo Werra sich und Fulda
küssen.“
In raschem Siegeszug hat sich der sprechende Poststempel
die Welt erobert. Wir finden ihn fast überall, auch im fernen
Nord- und Südamerika. Dort spricht er oft echt amerikanisch
zu seinen Beschauern. Denn ein Poststempel mit der Auf-
forderung: „Schreibt oft und haltet die Familie zusammen“,
mutet den Europäer tatsächlich sehr „amerikanisch“ an. Er
paßt ganz zu dem Lande, das in seinen Kirchen Filme vorführt
und zum Kirchenbesuch dadurch lockt, daß Schaukelstühle ge-
boten werden. Ein Möbelstück, das man selten in einem euro-
päischen Hotel finden wird.
Schließlich bin ich gezwungen, etwas Wasser in den feurigen
Reklamewein zu gießen. Die Verwaltung der Deutschen Reichs-