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(924) 1865 Mai 7
924. Marx an Engels; 1865 Mai 7.
7. Mai 1865.
Dear Fred,
Mein Schwager reist heute nach dem Kap zurück. Ich muß ihn
aufs Schiff begleiten. Daher keine Zeit und in aller Kürze nur
folgendes:
1. Ad vocem Bruhn. Ein Arbeiter von Paris erhielt von
einem Arbeiter in Hamburg Brief, Bruhn verleumde uns in jeder
Art. Erstens sei ich ihm 60 Taler schuldig, die ich nicht zurück-
gezahlt. Zweitens hättest Du und ich ein Manuskript über die x
Flüchtlinge an die preußische Regierung, resp. den „Polizeirat
Stieber“ verkauft. Der Pariser sandte den Brief an Lessner, Less-
ner an mich. Ich antwortete Lessner umgehend, zur Mitteilung
an den Pariser: Ich hätte nie (was ich damals glaubte) eine
Geldtransaction mit Blruhn] gehabt, halte es überhaupt für z
Münchhausiade, daß B{ruhn] je 60 Taler besessen. Ferner: Auf-
klärung über die Bangyaaffaire mit dem Manuskript, worüber
unsre Erklärung vom Januar 1852 in der New Yorker Criminal-
zeitung und Bezug darauf in „Herr Vogt“ pag. so und soviel nach-
zusehn sei. Well! Darauf kam B[ruhnl]s Brief. Ich habe nun mei- 2
nen Hirnkasten durchwühlt und glaube mich folgendes zu er-
innern: Frühling 1849 kam ich nach Hamburg, um dort Geld für
die „Nleue] Rheinische] Zleitung]“ zu holen. Ich hatte grade
venug im pocket, um nach Hamburg zu gehn. Logierte aber
14 Tage in einem firstrate Hotel. Baron Frisch, der uns später 2
Subsidien schicken wollte, erklärte ich, ich brauche Geld, um die
Hotelrechnung zu zahlen und zurückzureisen. Nun schwebelt mir
so etwas vor, daß, da ich das Geld nicht als „present“ von ihm an-
nehmen und er seinerseits es nicht zurückhaben wollte, abgemacht
wurde, Bruhn, damals wie jetzt Lump, solle es erhalten. Ich zo
hatte diese ganze Scheiße vergessen; Bruhn aber schrieb ich jetzt:
Ich erinnere mich keiner Geldtransaction mit ihm. Da bei mei-
ner Rückkehr von Hamburg nach Köln die N[eue] Rhleinische]
Zleitung] unterdrückt, ich selbst aus Preußen verjagt worden,
könnte ich möglicher Weise vergessen haben im Wirbel der da- ss
maligen Ereignisse. Auffallend bleibe dann, daß er von 1849 bis
1865 gewartet, um mich zu erinnern, Indes sei die Sache ein-
fach. Er solle schreiben, w a s er gutzuhaben glaube und mir Grü-
bels Adresse schicken. Ich würde dann selbst an G[rübell schrei-
ben. Wenn dieser seine Aussage bestätige, solle seine Ford- «
rung befriedigt werden. Dieser Weg durchaus nötig, da ich bis
zudiesem Augenblick noch nicht der Sache sicher bin und
in einer wahrhaft unerhörten Weise durch Fordrungen der Art
ausgebeutelt worden bin.