Full text : Die Kaufkraft des Geldes

Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

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Denkbarerweise  kann  das  bessere  Geld  im  Umtausch  mit  einem  Agio,
d.  h.  zu  seinem  Barrenwerte,  benutzt  werden;  die  Schwierigkeiten  aber,
Zahlungen  damit  so  vorzunehmen,  daß  beide  Parteien  sich  zufriedengeben,
sind  derartig,  daß  es  in  der  Praxis  nie  in  großem  Umfang  dazu  kommt.
Tatsächlich  ist  der  Einfluß  des  Greshamschen  Gesetzes  so  groß,  daß  ihm
sogar  die  Bequemlichkeit  einer  ganzen  Nation  geopfert  wird.  So  trieb  vor
fünfzehn  Jahren  die  übermäßige  Ausgabe  von  Papiergeld  in  Italien  nicht  nur
das  Gold  sondern  auch  Süber  und  Kupfer  über  die  Alpen.  Diese  konnten
in  Südfrankreich  zum  gleichen  Werte  wie  die  entsprechenden  dortigen
Münzen  zirkulieren,  weil  Frankreich  und  Italien  zur  Lateinischen  Union
gehören  Infolgedessen  blieb  eine  Zeitlang  sehr  wenig  Kleingeld  unter  dem
Betrage  der  5-Lire-Noten  übrig.  Es  war  den  Käufern  in  Detailgeschäften
oft  unmöglich,  ihre  Einkäufe  zu  besorgen,  weil  ihnen  das  nötige  Kleingeld
fehlte  und  auch  der  Kaufmann  hatte  es  nicht  und  konnte  daher  nicht
wechseln.  Um  der  mißlichen  Lage  abzuhelfen,  wurden  30,000,000  Noten
zu  1  Lire  ausgegeben,  und  es  herrschte  eine  so  große  Nachfrage  danach,  daß
man  ein  Agio  dafür  zahlte.
Das  Greshamsche  Gesetz  bezieht  sich  nicht  nur  auf  zwei  konkurrierende
Geldarten  aus  ein-  und  demselben  Metall,  sondern  überhaupt  auf  alles  Geld,
welches  gleichzeitig  zirkuliert.  Bis  zu  der  Zeit,  wo  das  „Reifein“  der  Münzränder ­
  erfunden  und  seitens  der  Münzstätten  ein  „Remedium“  (eine  Grenze,
innerhalb  welcher  eine  Abweichung  vom  gesetzlichen  Schrot  und  Korn  erlaubt ­
  ist)  angenommen  wurde,  traten  dadurch,  daß  das  Kippen  (clipping)
und  Münzenverschlechterung  etwas  ganz  Gewöhnliches  war,  große  Verwirrungen ­
  ein.  Heutzutage  hört  jedoch  jede  Münze,  deren  Gewicht  durch
Feingehaltsverschlechterung  oder  durch  Kippen  merklich  herabgesetzt
worden  ist,  auf,  gesetzliches  Zahlungsmittel  zu  sein  und,  indem  sie  aus
diesem  Grunde  allgemein  zurückgewiesen  wird,  nimmt  ihre  Geldfunktion
ein  Ende.  Innerhalb  der  gebräuchlichen x )  oder  gesetzmäßigen  Schranken
des  Remediums  indessen  —  d.  h.  solange  das  billigere  Geld  die  „Geld“-funktion
  beibehält  —  vertreibt  es  das  teurere.
§2.
Die  natürliche  Folge  des  Greshamschen  Gesetzes  ist  eine  Abnahme  der
Kaufkraft  des  Geldes  bei  jeder  Gelegenheit.  Die  Geschichte  der  Umlaufsmittel ­
  der  Welt  ist  zum  großen  Teil  eine  Chronik  von  oft  lediglich  auf
i)  Die  Verkehrsusancen  sind  zuweilen  weniger  streng  als  das  Gesetz.  In  Califomien
z.  B.  zirkulieren  abgenützte  und  unter  der  Toleranzgrenze  befindliche  Goldmünzen  weiter.
Sie  werden  „Bankgold“  genannt.
            
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