Full text : Die Kaufkraft des Geldes

Y

Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.
Die  stetigende  Kraft  des  Bimetallismus  hängt  von  den  Breiten  der  Reservoirs
und  nicht  von  der  Position  des  Films  /  ah.  Sie  bleibt  in  voller  Stärke,  gleichgültig ­
  welches  die  Proportionen  des  Gold-  und  Silbergeldes  sein  mögen  und
ist  ebenso  groß,  wenn  nur  eine  Nation  bimetallistisch  wird,  wie  wenn  die
ganze  Welt  das  System  annimmt.  Selbst  wenn  die  Schweiz  allein  ein  System
des  Bimetallismus  erfolgreich  betriebe,  würde  es  bis  zu  seinem  Zusammenbruch ­
  die  Umlaufsmittel  der  ganzen  Welt  Zusammenhalten  und  ausgleichen,
wo  immer  auch  Gold  oder  Silber  die  Währung  wäre.  Tatsächlich  würde  die
ganze  Welt  all  den  Nutzen,  den  die  Schweiz  durch  den  Bimetallismus  genießt ­
  ohne  dessen  Übel  und  Gefahren  mitgenießen.  Diese  internationale
Funktion  würde,  sobald  das  System  des  Bimetallismus  versagte,  plötzlich
aufhören.  ,
Es  ist  darauf  hinzuweisen,  daß  die  behauptete  ausgleichende  Wirkung
nur  relativ  ist.  Es  ist  denkbar,  daß  ein  Metall  allein  für  sich  noch  stetiger
sein  würde,  als  wenn  es  dem  anderen  angeschlossen  wird.  In  einem
späteren  Kapitel  wollen  wir  untersuchen,  bis  zu  welchem  Grade  dieser
Ausgleich  von  Vorteil  ist.  Hier  beschränken  wir  uns  darauf,  bloß  die  mechani  -
sehe  Wirksamkeit  des  bimetallistischen  Systems  zu  veranschaulichen 1 ).
§4.
Der  Bimetallismus  ist  heutzutage  nur  noch  Gegenstand  historischen
Interesses.  Er  wird  nicht  mehr  praktisch  angewandt,  doch  hat  seine  frühere
Herrschaft  in  vielen  Ländern,  Frankreich  und  die  Vereinigten  Staaten  inbegriffen, ­
  ein  Geldsystem  hinterlassen,  welches  zuweilen  die  „hinkende“  Währung ­
  genannt  wird.  Eine  solche  kommt  zustande,  wenn  in  einem  System
des  Bimetallismus,  bevor  das  eine  der  beiden  Metalle  das  andere  gänzlich
vertreiben  kann,  die  Münzstätte  dem  billigeren  von  beiden  verschlossen,
aber  das  bis  zu  diesem  Tage  gemünzte  Geld  nicht  einberufen  wird.
Nehmen  wir  an,  daß  es  das  Silber  ist,  das,  wie  in  Frankreich  und  in  den  Verdie ­
  zwei  Reservoirs  verteilt,  eine  Schicht  von  einem  Zentimeter  Tiefe  ausmachen  würde,
über  die  drei  Reservoirs  verteilt,  eine  Tiefe  von  zwei  Dritteln  eines  Zentimeters  haben.
Da  das  rechte  Reservoir  gleichfalls  ein  Drittel  der  Gesamtweite  hat,  würde  eine  Schwankung ­
  von  einem  Zentimeter  Silber,  wenn  es  bloß  Ware  ist,  auf  ein  Drittel  eines  Zentimeters
herabgesetzt  werden,  wenn  die  Verbindung  mit  dem  Geldreservoir  aufrechterhalten  wird.
Die  Breiten  des  Reservoirs,  die  hier  die  wichtigste  Rolle  spielen,  sind  die  Rate  der  Zunahme
der  Ware  im  Verhältnis  zur  Verminderung  des  Grenznutzens.  Das  Gesetz  der  umgekehrten
Breiten  bezieht  sich  mit  Genauigkeit  nur  auf  statische  oder  raschvorübergehende  Wiederanpassungen. ­

1 )  Vgl.  Leonard  Darwin,  Bimetcillh&m,  London  (Murray),  1897,  S.  341;  Bertrand
Nogaro,  ,,L'expörience  timHalliste“,  Revue  d'economie  poliiv[ue,  1908.
            
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