Full text : Die Kaufkraft des Geldes

Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

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Beauftragten  bei  diesem  System  die  Einlösung  ihrer  Umlaufsmittel  in  Gold
ablehnt,  so  löst  sie  sie  doch  durch  Anweisungen  auf  Gold  im  Auslande  ein.
Das  heißt,  die  Regierung  verkauft  Wechsel  auf  London  oder  New  York  zu
einem  bestimmten  Preise.  Das  Umlaufsmittel,  welches  die  Regierung  auf
diese  Weise  empfängt  und  in  gewissem  Sinne  einlöst,  wird  von  der  Zirkulation ­
  ausgeschlossen,  bis  der  ausländische  Wechselkurs  fällt  (d.  h.  bis
die  Nachfrage  nach  der  Einlösung  aufhört).
Die  Golddevisenwährung  kann  als  eine  Art  hinkender  Währung  mit  dem
weiteren  charakteristischen  Merkmal  teilweiser  Einlösung  betrachtet  werden.
Dieses  weitere  Merkmal  verändert  jedoch  den  Charakter  der  hinkenden
Währung  ganz  bedeutend.  Ohne  Golddevisenpolitik  kann  die  hinkende
Währung  jederzeit  zusammenbrechen,  wenn  das  Silber  (oder  welcher  Art
auch  immer  das  überwertete  Geld  sein  mag)  im  Handel  so  überhand  nimmt,
daß  das  Gold  vollständig  verdrängt  wird.  Sobald  das  ganze  Gold  ins
Ausland  getrieben  worden  ist,  hört  die  Parität  mit  dem  Golde  auf.  Durch
das  System  der  Golddevisenwährung  wird  diese  Katastrophe  jedoch  vermieden. ­
  Tatsächlich  ist  es  bei  diesem  System  nicht  notwendig,  jederzeit
Gold  in  Zirkulation  zu  haben.  Die  Bereitwilligkeit  seitens  der  Regierung,
Auslandswechsel  zu  einem  bestimmten  Preise  zu  verkaufen  und  das  hierbei
empfangene  Silber  abzuschließen,  nimmt  soviel  Umlaufsmittel  aus  der
Zirkulation,  daß  genau  dieselbe  Wirksamkeit  erzielt  wird,  wie  wenn  der
Gegenwert  in  Gold  exportiert  worden  wäre.  Solange  die  Regierung  bereit
und  in  der  Lage  ist,  den  Wechselkurs  mit  einem  Lande,  das  die  Goldwährung ­
  führt  aufrechtzuerhalten,  behauptet  sie,  ipso  facto,  annähernde
Paritat  mit  Gold  *).
§5.
M  ir  haben  nun  die  eben  dargelegten  Grundsätze  durch  historische  Beispiele ­
  zu  illustrieren.  Der  erste  und  zugleich  wichtigste  Fall  ist  der  Frankreichs. ­
  Im  Jahre  1785  wurde  in  diesem  Lande  das  Verhältnis  15%  zu  1
adoptiert  und  durch  das  Gesetz  von  1803  beibehalten.  Die  Geschichte  Frankreichs ­
  und  der  Lateinischen  Union  während  des  Zeitraumes  von  1785  und  besonders ­
  von  dem  Jahre  1803  an  bis  1873  ist  lehrreich.  Sie  gibt  eine  praktische ­
  Illustration  der  Theorie,  daß  unter  günstigen  Bedingungen  mittelst
des  Bimetallismus  Gold  und  Silber  während  einer  beträchtlichen  Zeit  zusammengekoppelt ­
  werden  können.  Während  dieser  Periode  war  sich  das
Publikum  irgendwelchen  Unterschiedes  im  Werte  der  beiden  Metalle  ve-U
  Vgl  Charles  A.  Conant,  „The  Gold  Exchange  Standard“,  Economic  Journal  T  •
1909,  S.  190—200.  ’  dum
            
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