Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 131
widerfahren, wenn wir ihn als ein Sicherheitsventil betrachten, das so
mächtig gegen einen Widerstand arbeitet, daß dieser fast niemals zutage
tritt und auch dann nur ganz vorübergehend. Für alle praktischen Zwecke
und alle normalen Fälle können wir annehmen, daß Geld und Schecks Not
wendigkeiten für den modernen Handel sind.
Die charakteristischen Wirkungen während der Übergangsperioden
gleichen den eigentümlichen Wirkungen, die durch das Ingangsetzen
oder Anhalten eines Zuges hervorgerufen werden. Unter normalen
Verhältnissen hält der letzte Wagen mit der Lokomotive gleichen Schritt,
wenn sich aber der Zug in Bewegung setzt oder anhält, wird dieses
Verhältnis durch die allmähliche Fortpflanzung der Wirkungen durch
die Zwischenwagen gestört. Jede einzelne Erschütterung eines Waggons
wird in ähnlicher Weise auf alle anderen und auf die Lokomotive über
tragen.
Wir haben zum Beispiel gesehen, daß eine plötzliche Veränderung in
der Quantität des Geldes und der Depositen zeitweilig auf ihre Umlaufs
geschwindigkeit und auf das Handelsvolumen einwirkt. Umgekehrt üben
jahreszeitliche Veränderungen im Handelsvolumen auf die Umlaufsge
schwindigkeiten einen Einfluß aus und, wenn das Währungssystem elastisch
ist, sogar auf die Quantität des Geldes und der Depositen. In lebhaften
Jahreszeiten, in denen „Geld gebraucht wird, um die Ernte zu transpor
tieren“, ist die Umlaufsgeschwindigkeit offenbar größer als in stillen Jahres
zeiten. Zu einer Zeit wird das Geld unbenützt liegen gelassen, um zu einer
anderen gebraucht zu werden, und solche jahreszeitliche Schwankungen
der Geschwindigkeit reduzieren wesentlich die Schwankungen, die sich sonst
im Preisniveau als notwendig erweisen würden. In ähnlicher Weise werden
jahreszeitliche Änderungen des Preisniveaus durch die abwechselnde Aus
dehnung und Zusammenziehung eines elastischen Bankumlaufsmittels
reduziert. In diesem Falle kann man sagen, daß sich das Geld oder die De
positen oder beides zeitweilig und bis zu einem durch die Menge der ge
setzlichen Zahlungsmittel bestimmten Grade dem Handelsumfange selbst
anpassen. In beiden Fällen wird dann das Steigen wie das Fallen der
Preise abgeschwächt 1 ). Daher wird während der Übergangsperioden
die „Quantitätstheorie“ also nicht strikt und absolut sich bewahrheiten.
1 ) Vgl. Hildebrand, Theorie des Geldes, XL Kapitel, der, ohne die Wirkung auf die Um -
laufsgeschwindigkeit klar zu erkennen, auf den Unterschied zwischen zwei Gemeinwesen
aufmerksam macht, die denselben Verbrauch aufweisen, von denen das eine jedoch einen
gleichmäßigen, das andere hingegen einen solchen Handel hat, in dem das Geschäft sich
2,1 bestimmten Zeiten, z. B. in der Erntezeit, anhäuft.
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