Full text : Die Kaufkraft des Geldes

158  IX.  Kapitel.

Nachfragekurve  kann  sich  ebensowohl  in  wagrechter  wie  in  senkrechter
Richtung  bewegen.
Durch  diese  Änderung  der  Q  tritt  eine  neue  Verwicklung  ein.  In
mehreren  unserer  vorhergehenden  Erörterungen  haben  wir,  was  theoretisch
zulässig  ist,  angenommen,  daß,  während  wir  die  Veränderungen  in  den  p
untersuchen,  die  durch  Veränderungen  des  Bestandes  der  Umlaufsmittel
oder  der  Umlaufsgeschwindigkeiten  veranlaßt  wurden,  alle  Q  unverändert
blieben.  Praktisch  bietet  sich  aber  zu  einem  solchen  Studium  niemals  eine
Gelegenheit.  Andererseits  nahmen  wir,  um  die  Wirkung  einer  Veränderung
im  „Geschäftsvolumen“  auf  das  Preisniveau  auseinanderzusetzen,  einen
Fall  an,  in  dem  sich  alle  Q  gleichmäßig  veränderten.  Eine  solche  Hypothese
kann  aber  nicht  nur  in  der  Praxis  unmöglich  ausgeführt  werden,  sondern
sie  ist  auch  in  der  Theorie  schwer  denkbar  aus  dem  Grunde,  weil,  wie  wir
soeben  gesehen  haben,  jedes  Q  einem  p  entspricht.  Wenn  wir  die  Wirkung
einer  Veränderung  im  Geschäftsvolumen  auf  das  Preisniveau  darlegen,
können  wir  nicht  annehmen,  daß  sich  alle  Q  gleichmäßig  nach  der  einen  und
alle  p  gleichmäßig  nach  der  anderen  Richtung  verändern.  Wenn  sich  die
erste  Gruppe  gleichmäßig  verändert,  so  kann  sich  die  zweite  nicht  gleichmäßig ­
  verändern.  Eine  Verdoppelung  in  den  Quantitäten  aller  verkauften
Waren  oder  (was  beinahe  dasselbe  ist)  eine  Verdoppelung  der  konsumierten
Quantitäten  würde  deren  relativen  subjektiven  Nutzwert  und  daher  ihre
bezüglichen  Preise  verändern.  Die  Verdoppelung  einer  Quantität  Salz
könnte  dessen  subjektiven  Grenznutzen  auf  Null  herabdrücken,  während
eine  Verdoppelung  der  Quantität  von  Rosen  deren  subjektiven  Grenznutzen
überhaupt  kaum  erniedrigen  könnte  1 ).
Wir  sehen  also,  daß  es  beinahe  zwecklos  ist,  von  gleichmäßigen  Veränderungen ­
  in  den  Preisen  (p)  oder  von  gleichmäßigen  Veränderungen  in  den
ausgetauschten  Quantitäten  (Q)  zu  sprechen.  Anstatt  solche  Veränderungen
aufzustellen,  müssen  wir  nun  zu  dem  Problem  schreiten,  eine  geeignete
Methode  zu  finden,  diese  beiden  Gruppen  von  Veränderungen  zu  erforschen.
Wir  müssen  zwei  Größen  formulieren:  das  Preisniveau  und  das  Handelsvolumen. ­
  Dieses  Problem  ist  äußerst  schwierig,  weil  wir  in  der  Bemessung
von  Veränderungen  im  Preisniveau  auf  die  eine  oder  andere  Weise  die  Quantitäten ­
  (die  Q)  als  Gewichte  in  unserem  Verfahren  der  Durchschnittsbildung
zu  benützen  haben  werden.  Wir  finden  nun,  daß  nicht  nur  die  Preise,  deren
Durchschnitt  wir  suchen,  ungemein  veränderlich  sind,  sondern  auch,  daß
die  Gewichte,  durch  die  wir  den  Durchschnitt  zu  konstruieren  versuchen,
ebenfalls  veränderlich  sind.

l )  Vgl.  Jevons,  Theory  of  Political  Economy,  London  (Macmillan),  1888,  S.  155—156.
            
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