Full text: Die Kaufkraft des Geldes

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XI. Kapitel. 
lieh nach aufwärts gerichtet. Diesem Diagramm gemäß sind die Preise jetzt 
ungefähr fünfmal so hoch wie vor tausend Jahren und zwei- bis dreimal 
so hoch wie in der Zeit zwischen 1200 und 1500 n. Chr. 1 ). Von dem letzt 
genannten Zeitpunkt ab oder kurz nach der Entdeckung Amerikas sind die 
Preise fast beständig gestiegen. 
Der Entdeckung Amerikas folgte im Jahre 1519 die Besitzergreifung 
Mexikos durch Cortez und zwanzig Jahre später die Eroberung von Peru 
durch Pizarro. Von diesen Eroberungen und der darauffolgenden Ent 
wicklung der Edelmetallproduktion in der Neuen Welt datiert der unge 
heure Aufschwung des Gold- und besonders des Silberbergbaus während 
des sechzehnten Jahrhunderts. Von der Entdeckung Amerikas bis zu der 
Zeit, in der ihre Nachwirkungen fühlbar zu werden begannen, oder genauer 
bis zum Jahre 1544, betrug der jährliche Goldertrag nahezu fünf Millionen 
Dollar und der des Silbers ungefähr dasselbe * 2 ). Die reichen Minen von 
Potosi in Bolivia wurden im Jahre 1546 entdeckt. Vom Jahre 1545 bis 
1560 betrug die jährliche Produktion von Silber durchschnittlich achtzehn 
Millionen Dollar, was mehr als das Vierfache des vorhergehenden Betrages 
bedeutet. Die Produktion des Goldes stieg ebenfalls, wenn auch nur in ge 
ringem Maße. Die Produktion beider Metalle wuchs fortgesetzt (mit geringer 
Unterbrechung in den Jahren 1811—1840) bis zur Gegenwart. 
Diese Bergwerke der Neuen Welt begannen ihre Produkte über Europa 
zu ergießen, und zwar zuerst nach Spanien, der Haupteigentümerin der 
Minen, dann durch den Handel in die Niederlande und andere Teile Europas 
und schließlich in den Orient — dieses große „Aufnahmereservoir von Silber“. 
Wie Cliffe Leslie 3 ) dargelegt hat, stiegen die Preise zunächst in Spanien, 
hierauf in den Niederlanden und dann in anderen Gebieten. 
Aber obwohl die neue Zufuhr von Edelmetallen sich nur ganz allmählich 
x ) Diese Zahlen wurden durch Ergänzung derer von D’Avenel, Hanauer und Leber 
durch die von Jevons und Sauerbeck für das 19. Jahrhundert gefunden. Ohne diese Er 
gänzung ist das Steigen der Preise zehnmal größer in den letzten tausend Jahren und vier- 
bis sechsmal größer in dem Zeitraum von 1200—1500. 
2 ) Diese und die folgenden Zahlen sind „The World's Production of Gold and Silver 
front 1493—1905 u , von J. D. Magee im Journal of Political Economy, Januar 1910, S. 50 ff. 
entnommen. Bis zum Jahre 1885 sind Magees Zahlen auf jene von Soetbeer gegründet 
und seit diesem Zeitpunkte auf die Berichte des Direktors der Münze der Vereinigten 
Staaten. Betreffs Soetbeers Zahlen siehe Adolf Soetbeer, Edelmetallproduktion und Wert- 
verhältnis zwischen Gold und Silier seit der Entdeckung Amerikas bis zur Gegenwart, Gotha 
(Justus Perthes), 1879, S. 107. Diese und andere Zahlen sind auch in den Materialien 
des nämlichen Verfassers gegeben, sowie in L. L. Price, Money and its Relation to Prices, 
London (Sonnenschein), 1900, New York (Scribner) S. 82 ff. aufgeführt und besprochen. 
s ) Essays in Political Economy, 2. Aufl., Nr. 19.
	        
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