Full text : Die Kaufkraft des Geldes

Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

7

II.  Kapitel.
Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur
V  erkehrsgleichung.
§1-Wir
  definieren  das  Geld  als  das,  was  im  Austausch  für  Güter  allgemein
zur  Annahme  gelangt 1 ).  Die  Leichtigkeit,  mit  der  das  Geld  also  ausgetauscht ­
  werden  kann,  oder  seine  allgemeine  Annehmbarkeit  bildet  sein
charakteristisches  Unterscheidungsmerkmal.  Die  allgemeine  Annehmbarkeit ­
  kann  durch  das  Gesetz  besonders  erzwungen  werden;  dadurch  wird
das  Geld  ein  sogenanntes  „gesetzliches  Zahlungsmittel“  (legal  tender);  doch
ist  dieser  Zwang  nicht  das  wesentliche.  Um  irgendeinem  Gute  die  Bedeutung
des  Geldes  zu  geben,  ist  nur  erforderlich,  daß  die  allgemeine  Annahme  damit ­
  verknüpft  ist.  An  der  Landesgrenze  gelten  manchmal  Goldstaub  oder
Goldklumpen  als  Geld  ohne  irgendwelche  gesetzliche  Sanktion.  In  der
Kolonie  Virginia  war  es  Tabak.  Bei  den  Indianern  in  New  England  galt
der  Wampum  als  Geld.  „In  Deutsch-Neu-Guinea  werden  die  gebogenen
Hauer  des  Ebers  als  Geld  benutzt.  In  gleicher  Weise  werden  in  Kalifornien
die  Köpfe  roter  Vögel  verwendet“  1  2 ).  In  Melanesien  kommen  Steine  und
Muscheln  als  Geld  in  Anwendung 3 ).  „I n  Birma  sind  es  chinesische  Spielmarken, ­
  welche  als  Geld  dienen.  Man  sagt,  daß  in  Südamerika  die  von
Straßenbahngesellschaften  herrührenden  Kautschukmarken  ähnlich  kursieren“ ­
  4 ).  Vor  nicht  allzulanger  Zeit  gelangten  in  einer  Stadt  im  Staate
New  York  ähnliche  Wertzeichen  in  lokalen  Umlauf,  bis  ihre  Ausgabe  durch
die  Eegierung  der  Vereinigten  Staaten  verboten  wurde.  In  Mexiko  bediente
man  sich  als  Geld  großer  Kakaobohnen  von  verhältnismäßig  geringer  Qualität, ­
  und  an  der  Westküste  Afrikas  wurden  kleine  Matten  als  solches  verwandt 5 ).
Diese  Aufzählung  könnte  bis  ins  Unendliche  fortgesetzt  werden.  Aber  was
auch  immer  die  Substanz  des  Artikels  sein  mag,  es  ist  seine  allgemeine  Austauschbarkeit, ­
  die  ihn  zum  Geld  macht.
1 )  Erörterungen  über  genaue  Begriffsbestimmungen  des  Geldes  finden  sich  bei:
A.  Piatt  Andrew,  „What  ought  io  le  called  Money“  im  Quarterly  Journal  of  Economics,
Bd.  XIII;  Jevons,  Money  and  the  Mechanism  of  Exchange,  London  (Kegan  Paul)  and
New  York  (Appleton),  1896;  Palgrave,  Dictionary  of  Political  Economy;  Walker,  Money
und  in  anderen  Monographien  und  Lehrbüchern.
2 )  Sumncr,  Folkways,  Boston  (Ginn),  1907,  S.  147.
3 )  A.  a.  0.  S.  150.
*)  A.  a.  0.  S.  148.
s )  A.  a.  0.  S.  148.
            
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