Full text : Die Kaufkraft des Geldes

26

III.  Kapitel.

Kurz,  die  Quantitätstheorie  behauptet,  daß  (falls  Umlaufsgeschwindigkeit
  und  Handelsvolumen  unverändert  bleiben)  eine  Vermehrung  der  Anzahl ­
  der  Dollar,  sei  es  durch  eine  Umnennung,  eine  Verschlechterung  oder
durch  eine  Verstärkung  der  Ausprägung  oder  durch  irgendwelche  anderen
Mittel,  eine  Steigerung  der  Preise  in  demselben  Verhältnis  nach  sich  zieht.
Nicht  das  Gewicht,  sondern  die  Anzahl  ist  hier  das  Entscheidende.  Auf  diese
Tatsache  muß  großer  Nachdruck  gelegt  werden.  Es  ist  eine  Tatsache,  durch
die  sich  das  Geld  von  allen  anderen  Gütern  unterscheidet,  und  in  der  die
Eigenart  seiner  Kaufkraft  im  Verhältnisse  zu  anderen  Gütern  zum  Vorschein
kommt.  Der  Zucker  hat  z.  B.  einen  spezifischen  subjektiven  Nutzwert
(desirability),  der  von  seiner  Quantität  im  Pfundgewicht  abhängt.  Das
Geld  hat  keine  derartige  Eigenschaft.  Der  Wert  des  Zuckers  hängt  von
dessen  aktueller  Quantität  ab.  Wenn  die  Quantität  des  Zuckers  von  1,000,000
Pfund  auf  1,000,000  Zentner  verändert  wird,  so  folgt  hieraus  nicht,  daß  ein
Zentner  den  früheren  Wert  eines  Pfundes  hat.  Aber  wenn  das  in  Umlauf
befindliche  Geld  von  1,000,000  Einheiten  des  einen  Gewichtes  auf  1,000,000
Einheiten  eines  anderen  Gewichtes  verändert  wird,  so  wird  der  Wert  jeder
Einheit  unverändert  bleiben.
Die  Quantitätstheorie  des  Geldes  beruht  also  letzten  Endes  auf  der
fundamentalen  Eigentümlichkeit,  die  unter  allen  Gütern  das  Geld  allein
besitzt  —  nämlich  auf  der  Tatsache,  daß  es  nicht  imstande  ist,  die  Bedürfnisse ­
  des  Menschen  zu  befriedigen,  sondern  nur  die  Kraft  besitzt,  Dinge  zu
kaufen,  die  diese  Kraft  der  Bedürfnisbefriedigung  besitzen 1 ).

III.  Kapitel.
Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die
Gleichung  und  infolgedessen  auf  die  Kaufkraft.
§i.
Wir  sind  nunmehr  in  der  Lage,  das  Wesen  der  Bankdepositen  als  Zahlungsmittel ­
  oder  des  Kreditumlaufs  zu  erklären.  Kredit  bedeutet  im  allge-Q
  Vgl.  G.  F.  Knapp,  Staatliche  Theorie  des  Geldes,  Leipzig,  1905;  L.  von  Bortkiewicz,
„Die  geldtheoretischm  und  die  währungspolitischen  Konsequenzen  des  ‘Nominalismus , “,
Jahrbuch  für  Gesetzgebung,  Verwaltung  und  Volkswirtschaft,  Oktober  1906;  Bertrand
Nogaro,  „L’expörience  bimetalliste  du  XIX ieme  siede  et  la  tlieorie  generale  de  la  monnaie
Revue  d’Economie  politique,  1908.
            
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