Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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III.  Kapitel.

einer  Bank  nicht  mit  Geldoperationen  auf  gleichen  Fuß  zu  stellen.  Dies
wäre  eine  metaphorische  und  irreführende  Vorstellung.  Die  Bankoperationen
sind  ebensowenig  Geldoperationen  wie  etwa  Grundbesitzübertragungen.
Ein  Bankdeponent  A  hat  gewöhnlich  kein  „deponiertes  Geld“  und  kann
eigentlich  nicht  sagen,  daß  er  „Geld  in  der  Bank  hat“,  ob  er  nun  solches
hat  oder  nicht.  Was  er  besitzt,  ist  das  Versprechen  der  Bank,  auf  Verlangen ­
  Geld  zu  zahlen.  Die  Bank  schuldet  ihm  Geld.  Wenn  eine  Privatperson ­
  Geld  schuldet,  so  fällt  es  dem  Gläubiger  nicht  ein  zu  sagen,  daß  er
in  der  Tasche  des  Schuldners  ein  Depot  besitzt.
§2.
Es  kann  nicht  nachdrücklich  genug  betont  werden,  daß  in  jeder  Bilanz
der  Wert  der  Passiva  auf  dem  der  Aktiva  beruht.  Die  Depositen  einer
Bank  bilden  davon  keine  Ausnahme.  Man  darf  sich  durch  die  Tatsache
nicht  irreführen  lassen,  daß  die  Baraktiven  einen  geringeren  Betrag  aufweisen
  können  als  die  Depositen.  Wenn  der  Laie  zum  ersten  Male  erfährt,
daß  die  Anzahl  der  Dollar,  welche  Noteninhaber  und  Deponenten  berechtigt
sind,  aus  der  Bank  zu  ziehen,  größer  ist  als  die  im  Besitze  der  Bank  befindliche ­
  Anzahl  der  Dollar,  ist  er  geneigt,  den  vorschnellen  Schluß  zu  ziehen,
daß  die  Noten  oder  die  Depositenpassiva  nicht  gedeckt  sind.  Dennoch
steckt,  vorausgesetzt,  daß  es  sich  um  eine  zahlungsfähige  Bank  handelt,
hinter  allen  diesen  Verbindlichkeiten  der  volle  Wert,  und  wenn  es  auch
nicht  wirkliche  Dollar  sind,  so  ist  es  auf  jeden  Fall  Eigentum  im  Werte  von
wirklichen  Dollarn.  Durch  keinerlei  Kniffe  können  die  Aktiven  durch  die
Passiven  überschritten  werden,  es  sei  denn  im  Falle  der  Insolvenz  und  selbst
in  diesem  Falle  kann  das  nur  in  nomineller  Weise  geschehen,  denn  der  wahre
Wert  der  Verbindlichkeiten  („uneinbringliche  Posten“)  wird  allein  dem
wahren  Werte  der  hinter  denselben  befindlichen  Aktiven  gleichkommen.
Wie  bereits  erwähnt,  setzt  sich  der  Stand  dieser  Aktiven  zum  großen
Teil  aus  Kaufmannsnoten  zusammen,  obwohl  sie,  rein  banktheoretisch  gesprochen, ­
  aus  irgendwelchem  Eigentum  bestehen  könnten.  Wenn  die
Aktiven  in  dem  Besitz  von  Grundstücken  oder  anderem  unbelasteten
Immobiliarbesitz  bestünden,  so  daß  der  greifbare  Reichtum,  welchen  Eigentum ­
  stets  repräsentiert,  klar  auf  der  Hand  läge,  dann  verschwände  das  ganze
Rätsel  der  Erscheinungen.  Die  Wirkung  wäre  jedoch  keine  andere.  Anstatt
im  Austausch  für  die  geliehenen  Summen  Getreide,  Maschinen  oder  Flußstahl ­
  in  Depot  zu  nehmen,  ziehen  die  Banken  die  zinstragenden  Wertpapiere
von  Gesellschaften,  Firmen  und  Privatpersonen  vor,  welche  direkt  oder
            
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