Full text : Die Kaufkraft des Geldes

Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs.  47

weniger  als  2  Prozent  sein.  Mit  anderen  Worten:  die  3  Prozent  Preiserniedrigung ­
  sollten  den  Zinsfuß  um  annähernd  3  Prozent  herabsetzen.  Tatsächlich ­
  wird  aber  ein  so  vollkommener  Ausgleich  selten  erlangt,  und  der
Zinsfuß  hält  sich  für  eine  beträchtliche  Zeit  weit  über  2  Prozent*).
§2.
Wir  kommen  nun  zur  Erörterung  der  vorübergehenden  oder  Übergangsveränderungen ­
  in  den  Faktoren  unserer  Yerkehrsgleichung.  Zunächst
wollen  wir  eine  geringfügige  Störungsursache  annehmen,  wie  sie  zum  Beispiel ­
  durch  eine  Zunahme  in  der  Quantität  des  Goldes  herbeigeführt  würde.
Daraus  entsteht,  wie  die  Verkehrsgleichung  lehrt,  eine  Steigerung  der  Preise.
Wenn  die  Preise  steigen,  so  erhöht  sich  der  in  Geld  bemessene  Gewinn  der
Geschäftsleute  ebenfalls,  selbst  wenn  die  Geschäftsunkosten  in  demselben
Verhältnis  steigen  sollten.  Wenn  also  ein  Mann,  der  Güter,  die  ihn  $  6000
gekostet  haben,  für  $  10,000  verkauft  und  auf  diese  Weise  $  4000  rein  verdient, ­
  doppelte  Preise  bei  doppelten  Unkosten  erhalten  könnte,  so  würde
sich  sein  Gewinn  verdoppeln,  also  $  20,000  —  $  12,000  =  $  8000  Reingewinn. ­
  Natürlich  würde  eine  solche  Preissteigerung  rein  dem  Namen
nach  bestehen,  da  sie  ja  lediglich  mit  der  Steigerung  im  Preisniveau  gleichen
Schritt  hält.  Dem  Geschäftsmann  würde  daraus  kein  Vorteil  erwachsen,
denn  sein  größerer  Gewinn  an  Geld  würde  nicht  mehr  kaufen,  als  sein  vorheriger ­
  geringerer  Gewinn  an  Geld  früher  kaufte.  Tatsächlich  erhöht  sich
aber  der  Gewinn  des  Geschäftsmannes  mehr,  als  es  nach  diesen  Ziffern
scheint,  weil  der  von  ihm  zu  zahlende  Zinsfuß  sich  nicht  augenblicklich
anpaßt.  Unter  seinen  Unkosten  befinden  sich  Zinsen,  und  diese  Unkosten
steigen  anfänglich  nicht.  Der  Gewinn  erhöht  sich  demnach  schneller  als
die  Preise.  Daraus  ist  zu  entnehmen,  daß  ein  höherer  Gewinn  als  gewöhnlich
erzielt  werden  kann,  was  den  Geschäftsmann  ermutigt,  durch  weitere  Aufnahme ­
  von  Kapital  sein  Geschäft  auszudehnen.  Dies  geschieht  hauptsächlich ­
  in  Form  von  kurzfristigen  Anleihen  bei  Banken  und,  wie  wir
gesehen  haben,  erzeugen  kurzfristige  Darlehen  Depositen.  Bekanntüch
korrespondieren  Anleihen  und  Depositen  bemerkenswert  genau  miteinander ­
  *  2 ).  Der  Umlauf  von  Depositen  ((?')  vermehrt  sich  also,  doch  bewirkt
diese  Vermehrung  des  Depositenumlaufs  eine  weitere  Steigerung  des  allgemeinen ­
  Preisniveaus,  und  zwar  ebenso,  wie  es  im  Anfang  die  Zunahme  des
*)  Rate  of  Interest,  loc.  cit.
2 )  S.  J.  Pease  Norton,  Statistical  Studies  in  the  New  York  Money  Market  (Macniiilan),
1902,  Tabelle  am  Schlüsse.
            
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