Full text: Die Kaufkraft des Geldes

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IV. Kapitel. 
getrieben werden müssen. Dies gilt namentlich dann, wenn der ursprüng 
liche Anstoß von einer Geldzunahme herkam. Die Ausgabe zuschüssigen 
Geldes erfolgt anfangs fast auf der alten Preisstufe, durch seine fort 
gesetzte Verausgabung hingegen werden die Preise allmählich erhöht. 
Mittlerweile wird der Umfang der Käufe etwas größer, als er gewesen 
wäre, wenn die Preise schneller gestiegen wären. Vom Gesichtspunkte der 
jenigen, welche Güter verkaufen, ist es tatsächlich die Möglichkeit stärke 
ren Umsatzes zu den alten Preisen, welche zu einer Steigerung der 
Preise ermutigt. Wenn sie sehen, daß sie Käufer für mehr Güter als vorher 
zu den früher herrschenden Preisen finden können oder für ebensoviele Güter 
wie vorher zu höheren Preisen, dann werden sie diese höheren Preise fordern. 
Aber der Umfang des Geschäftes hängt fast gänzlich von allem anderen 
eher ab als von der Quantität der Umlaufsmittel, so daß eine Zunahme in 
den Umlauf smitteln den Geschäftsumfang nicht einmalzeitweilig beträchtlich 
erhöhen kann. In gewöhnlichen guten Zeiten ist tatsächlich das ganze Ge 
meinwesen mit Arbeit, mit der Produktion, dem Transport und dem Aus 
tausch von Gütern beschäftigt. Die Zunahme der Umlaufsmittel während 
einer Periode geschäftlichen Aufschwungs kann von sich selbst aus nicht die 
Bevölkerung vermehren, die Leistungsfähigkeit der Arbeiter erhöhen oder 
weitere Erfindungen hervorbringen. Diese Faktoren begrenzen ziemlich 
genau den Umfang des Geschäftsverkehrs, der füglich bewältigt werden 
kann. Und obwohl der Gewinn der kreditsuchenden Unternehmer einen 
psychologischen Ansporn für das Geschäft bilden kann, obwohl einige 
Arbeitslose beschäftigt werden können und andere in verschiedenen Branchen 
zu Überzeitarbeit veranlaßt werden, und obwohl eine größere Anzahl spe 
kulativer Käufe und Verkäufe effektuiert werden, so ist doch beinahe die 
völlige Wirkung einer Zunahme an Depositen in einer Veränderung der 
Preise zu erblicken. Normalerweise würde so die volle Wirkung zum Aus 
druck kommen, in Übergangszeiten hingegen findet auch eine gewisse 
Zunahme in den Q statt. 
Zunächst können wir wahrnehmen, daß die Preissteigerung — das 
Sinken in der Kaufkraft des Geldes — den Umlauf des Geldes beschleunigt. 
Wir alle beeilen uns, eine Ware los zu werden, welche, wie eine reife 
Frucht unter unseren Augen verdirbt 1 ). Das Geld macht keine Aus- 
x ) Einen statistischen Beweis liefert Pierre des Essars, Journal de la Sociäe 
de Statistique de Paris, April 1896, S. 143. Die Zahlen beziehen sich nur auf die Umlaufs 
geschwindigkeit der Bankdepositen. Entsprechende Zahlen für die Umlaufsgeschwindig 
keit des Geldes gibt es nicht. Pierre des Essars hat bewiesen, daß TJ' in europäischen 
Banken in Jahren der Krisis mit fast unfehlbarer Sicherheit ein Maximum erreicht. Ich
	        
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