Full text : Die Kaufkraft des Geldes

68

V.  Kapitel.

ausgabung  des  Geldes  oder  der  Schecks,  und  desto  rascher  ist  die  Umlaufsgeschwindigkeit. ­

Dies  kann  am  besten  aus  einem  Beispiel  ersehen  werden.  Der  Übergang ­
  von  monatlichen  zu  wöchentlichen  Lohnzahlungen  erhöht  die  Umlaufsgeschwindigkeit
  des  Geldes.  Wenn  ein  Arbeiter  per  Woche  $  7  ausgezahlt ­
  bekommt  und  diese  täglich  gleichmäßig  verringert  und  jede  Woche
mit  leeren  Händen  beschließt,  so  würde  sein  Durchschnittsbargeld,  wie  wir
gesehen  haben,  wenig  über  die  Hälfte  von  $  7  oder  ungefähr  $  4  betragen.
Dies  ergibt  einen  beinahe  zweimaligen  Umsatz  per  Woche.  Bei  monatlicher ­
  Auszahlung  muß  der  Arbeiter,  welcher  im  Durchschnitt  $  1  per  Tag
erhält  und  ausgibt,  die  $  30  mehr  oder  weniger  gleichmäßig  auf  die  folgenden
30  Tage  verteilen.  Wenn  er  am  nächsten  Zahltag  mit  leeren  Händen  dasteht,
so  ist  sein  Durchschnittsgeld  während  des  Monats  ungefähr  $  15  gewesen.
Sein  Umsatz  ist  dann  ungefähr  ein  zweimaliger  per  Monat.  Folglich  ist  die
Umsatzrate  bei  wöchentlichen  Auszahlungen  rascher  als  bei  monatlichen
Lohnzahlungen.
Dasselbe  Resultat  würde  sich  ergeben,  wenn  wir  annähmen,  daß  der
Arbeiter,  anstatt  den  Zyklus  mit  leeren  Händen  zu  beenden,  einen  gegebenen
Bruchteil  seines  Lohnes,  sagen  wir  die  Hälfte  desselben,  übrig  behält.  Bei
wöchentlicher  Auszahlung  würde  er  mit  $  10,50  beginnen  und  mit  $  3,50
schließen,  was  einen  Durchschnitt  von  ungefähr  $  7  ergibt.  Bei  monatlicher ­
  Auszahlung  würde  er  so  mit  einem  Durchschnitt  von  $  45  beginnen
und  mit  $  15  aufhören,  wonach  sich  der  Durchschnittsbetrag  auf  ungefähr ­
  $  30  belaufen  würde.  Im  ersten  Falle  würde  seine  Durchschnittsumlauf ­
  sgeschwindigkeit  einmal  die  Woche  und  im  letzteren  Falle  einmal  im
Monat  sein.  Bei  wöchentlicher  Auszahlung  ist  der  Umsatz  also  auch  dann
ungefähr  viermal  rascher  als  bei  monatlicher  Zahlung.  Wenn  daher  die  Verteilung ­
  des  Geldaufwandes  auf  die  beiden  Zyklen  genau  dieselbe  „zeitliche
Gestaltung“  („time  shape“) 1 )  haben  sollte,  so  würden  die  wöchentlichen  Zahlungen ­
  die  Umlaufgeschwindigkeit  in  demselben  Verhältnis  beschleunigen,
in  welchem  ein  Monat  zu  einer  Woche  sich  verhält.  Als  geschichtliche  Tatsache ­
  betrachtet,  ist  es  jedoch  nicht  wahrscheinlich,  daß  die  Einführung  von
wöchentlichen  Zahlungen  an  Stelle  von  monatlichen  die  Schnelligkeit  des
Geldumlaufes  unter  den  Arbeitern  um  das  Vierfache  erhöht  hat,  weil  die
Veränderung  eines  anderen  Elements,  nämlich  des  Buchkredits,  geeignet  sein
dürfte,  eine  ungefähr  ausgleichende  Abnahme  zu  verursachen.  Bei  wöchent-1

 )  Vgl.  Adolphe  Landry,  „La  Rapidit6  de  la  Circulation  Mon6taire“,  Auszug  aus
La  Revue  d'JEconomie  politique,  Februar  1905.
            
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