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5. Die Ratten.
Iti den Wohnungen und in deren Nähe trifft man gewöhnlich
drei Rattenarten an: Mus rattus L., Mus decumanus Pallas und
Musmusculus h. In der Häufigkeit des Vorkommens steht, nach
den in Taihoku gefangenen Tieren zu urteilen, Mus musculus obenan;
von den beiden anderen Arten kam bis 1908 Mus rattus häufiger vor als
Mus decumanus, ein Verhältnis, das seitdem ins Gegenteil umgeschlagen
ist. Andere Arten, wie Mus coxinga und Nesokia bandicota, lassen sich
recht selten sehen; sie scheinen sich in Häusern und deren Nähe nicht
aufzuhalten. Unter den auf dem Lande gefangenen Tieren finden sich
ferner Mus agrarius Pallas, der gewöhnlich in unterirdischen Gängen
unter den Feldern haust, sowie noch eine andere Feldmausart;
diese beiden dringen zeitweise auch in menschliche Wohnungen ein.
Es sind im großen und ganzen die erstgenannten drei Arten, von
denen die Epidemien hervorgerufen werden, und zwar finden sich
Pestratten am häufigsten unter Mus rattus, in zweiter Linie unter Mus
decumanus und am seltensten unter Mus musculus. Absolut wie
relativ übertrifft Mus rattus die beiden anderen an Pesterkrankungen.
Pestepidemien unter Mus rattus scheinen Vorboten von allgemeiner
Rattenpest zu sein; nach Mus rattus wird allemal Mus decumanus
davon befallen (Tab. VI). Auch bei Impfversuchen zeigt sich Mus
rattus am empfänglichsten. Aus diesem Grunde darf man wohl an
nehmen, daß die Pestepidemien nicht nur schlechthin hauptsächlich
unter dem Einfluß dieser Ratte entstehen, sondern daß sie auch gerade
zu in direktes Verhältnis mit ihrer Vermehrung und Verminderung zu
setzen sind. Die Tatsache, daß gerade diese Ratte am leichtesten und
stärksten von Septichämie befallen wird, ist übrigens für die Über
tragung von Pestbazillen durch Rattenflöhe von großer Bedeutung.
Die Fortpflanzung der in Frage kommenden Rattenarten scheint
man, nach der mutmaßlichen Tragezeit und der Zahl der in den ein
zelnen Monaten in Taihoku gefangenen Tiere zu schließen, ungefähr
in die Zeit vom Oktober oder November bis zum nächsten Frühjahr
setzen zu müssen, mit anderen Worten in dieselbe Zeit, in die all
jährlich das Anwachsen der Pest fällt. Ein Vergleich der Anzahl der
vor, während und nach einer Epidemie gefangenen Ratten mit dem
Verlaufe der Epidemie lehrt, daß diese Zahlen jederzeit mit der Zu
oder Abnahme der Pest steigen oder fallen: mit der Zunahme der