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Am seltensten lassen sich die Ceratophyllus-Arten sehen. Nur dann
und wann wurde auch Ctenocephalus — diejenige Art, die als Schma
rotzer der Hunde und Katzen bekannt ist — in großer Masse ge
funden. Ctenopsylla musculi greift nie einen Menschen an, auch bei
Hunger nicht; alle anderen Arten aber stechen den Menschen, sobald
und so oft sich Gelegenheit bietet. Insbesondere saugt Uoemopsylla
cheopis mit Vorliebe Menschenblut. Die Vermehrung dieser Floharten
findet im März oder April statt, fällt also, was sehr beachtenswert
ist, ebenfalls mit dem Anschwellen der Pest zusammen (Tab. VII). Um
die Frage der Pestübertragung durch Flöhe zu klären, d. h. um fest
zustellen, ob pestempfängliche Tiere, ohne in Berührung mit pest
kranken Tieren oder deren Auswurfstoffen zu kommen, lediglich
durch Vermittlung von Rattenflöhen von der Pest angesteckt werden
oder nicht, wurde eine Reihe von Versuchen angestellt. Man setzte
eine Anzahl von Loemopsylla cheopis auf den Körper mit Pest
bazillen geimpfter Meerschweinchen und Ratten, las nach dem Tode
der geimpften Tiere die Flöhe wieder auf und setzte sie auf gesunde
Meerschweinchen und Ratten, die in geeigneter Weise isoliert worden
waren. Diese wurden regelmäßig dann pestkrank, wenn die mit
Pestbazillen geimpften Tiere merkliche Symptome von Pestsepti-
chämie gezeigt hatten (Tab. VIII).
Daß also die Rattenflöhe unter verschiedenen Tieren Pest ver
breiten, steht hiernach unzweifelhaft fest. In welcher Weise aber
übertragen die Flöhe die Pestbazillen? Verpflanzen z. B. die Flöhe
beim Stechen Pestbazillen, die beim Blutsaugen am Saugrohr haften,
rein mechanisch auf andere Tiere? Oder erfolgt die Ansteckung in der
Weise, daß Flöhe, die vorher Blut aus kranken Tieren gesogen haben,
dann gesunde Ratten stechen und von diesen infolge des Juckreizes
mit dem Maule gesucht und gefressen werden? Oder werden die Pest
bazillen übertragen, indem Flöhe, die vorher Blut aus pestkranken
Ratten gesogen haben, an die Haut der neuen gesunden Wirte ihren
bazillenhaltigen Kot kleben, worauf die Bazillen bei Gelegenheit —
z. B. könnten die Ratten den Körperteil, wo sie infolge von In
sektenstichen einen Juckreiz empfinden, mit den Nägeln oder den
Zähnen kratzen oder beißen — in den Rattenkörper eindringen?
Um hier Klarheit zu schaffen, wurden eine Anzahl Flöhe, die in solche
pestgeimpfte Tiere, bei denen ganz deutliche Symptome von Septi-