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Umgegend von Berlin, um dessen pflanzliche Selten
heiten zu besehen, die meinen Vater sehr interessierten.
Pritzel, ein Freund Lassalles, ist ein sehr angenehmer
und sympathischer Mensch, er gefiel uns sehr. Wir
kehrten spät zurück, direkt zum Mittagessen bei Lassalle,
der in der freien Luft wieder zu sich gekommen war
und sich vollkommen beherrschte. Wir trafen bei ihm
die Gräfin, dem berühmten Pianisten Bülow und den
Dichter Scherenberg. Nach der Versicherung Lassalles
ist dieser Poet ein ehrlicher, prächtiger Mensch, ein eifriger
Deniokrat; mir kam er schwerfällig und schlaff vor,
obschon er gegen Ende des Mittags auftaute und einige
Bruchstücke seiner neuen Dichtung deklamierte. Bülow,
damals ein eben erst aufgehendes Licht, Schwiegersohn
Liszts, war klein, quecksilbern, hochmütig und schien
von seiner Wichtigkeit aufgebläht; anfangs gefiel er uns
nicht, aber bald unterlag er dem wohltuenden Einflüsse
des einfachen Lassalleschen Kreises, wurde mitteilsam,
und ohne die letzte Speise zu beenden, sprang er auf
und begann eine Komposition von Liszt zu spielen,
von der ich soeben mit ihm gesprochen hatte. Er spielte
bis spät in den Abend hinein, und wir alle hörten ihm
mit Vergnügen zu. Sein Spiel wurde häufig von der
Unterhaltung unterbrochen, an der auch er lebhaften
Anteil nahni. Diese drei Freunde Lassalles trennten
sich auch von uns wie alte Freunde.
Mein Vater, ich und Lassalle brachten die Gräfin
nach Hause und fuhren dann in unser Hotel.
Als die Gräfin ausgestiegen und wir drei allein im
Wagen geblieben waren, wurden wir plötzlich stumm,
wie auf Verabredung. Wir schwiegen hartnäckig. Es