Metadata: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

ndividuelle Gestaltung und Haltung des einzelnen. Gerade 
ımgekehrt aber verhält es ‚sich in der sozialen Gemein- 
schaft der Menschen. Hier bestimmt nicht die Struktur 
das einzelne, sondern ; 
der einzelne bestimmt ‚die Struktur! 
Fs gibt drei Arten von Einheiten: erstens die kausal- 
nechanische Einheit, etwa unseres’ Sonnensystems 
oder des Atoms, zweitens die organische Einheit 
ler Pfilanzen- und Tierwelt, wozu auch der Leib des Men- 
schen gehört, und drittens die ethische Einheit, die 
auf der Freiwilligkeit und dem Pflichtgefühl der einzelnen 
Glieder beruht, die in jedem Augenblick selbständig die Ein- 
heit neu erschaffen und tragen. Dies ist das Wesen der 
menschlichen Gemeinschaft, die den selbständigen Gestal- 
tungswillen. der einzelnen Persönlichkeiten zur Voraus- 
setzung hat. Die Struktur des Ganzen, ja selbst die Idee 
des Ganzen ist immer das Werk bestimmter, 
führender Persönlichkeiten. Wenn dies ver- 
kannt wird, wenn die Struktur des Ganzen als eine gege- 
bene Größe gilt, die sich herrschend, bestimmend den ein- 
zelnen gegenüberstellt, so droht die Erstarrung des 
Lebens infolge eines allzu herrischen Kollektivismus. 
Der Massenkollektivismus und gleicherweise der ständische 
and der staatliche , Kollektivismus bedrohen die schöpfe- 
rische Selbstverantwortung, die Unternehmungsfreude urd 
Tatkraft der Einzelpersönlichkeit, : 
Wir leben bereits in nächster Nähe der Diktatur, 
der Massendiktatur 
und der bürokratischen Staatsdiktatur, die die Individuali- 
tät und ihren Schaffensdrang aufs höchste gefähr- 
det. Wer die letztere, die staatliche Diktatur ausübt, ob 
ein einzelner Diktator, der die Verfassung ausdrücklich 
aufhebt; oder ob es im Rahmen der Verfassung die über- 
lieferte Bürokratie vollzieht, mit dem unentrinnbaren Netz 
der Gesetze, macht keinen wesentlichen Unterschied. 
Man: weise nicht gegenüber dieser Bedrohung der 
ireien Individualität von seiten der Masse und der Staats- 
verwaltung auf die kühne Weltanschauung und Lebensidee 
des Individualismus hin, die Nietzsche vertreten hat. 
Seine Lobrreisung des Individualismus bildet kein Gegen- 
gewicht gegen diese Mächte; diese geistige Schöpfung 
könnte der Schwanengesang, der letzte Verzweiflungsschrei 
jes Individualismus sein. Jedenfalls ist sein Werk bisher 
ohne jeden Einfluß auf die Gestaltung unseres wirtschaft- 
‘chen und staatlichen ‘Lebens geblieben. Unaufhalt- 
sam gehtes weiter in der Bahn des Kollek- 
tivi&smus; in der wissenschaftlichen Theorie wie in der 
Praxis des Lebens. Daß das individualistische Zeitalter 
Fehler und Gebrechen gehabt.hat, steht außer Frage. Eine 
vollständige Umkehrung aber der Grundlagen unserer 
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