515) Die Konkurrenz und die Arbeiterklasse. Die wirtschaftlichen Monopole. 57
und gewerblichen Thätigkeit haben sicher nie an niedrigen Löhnen eine besondere Freude
gehabt; der Unternehmer im Durchschnitt zahlt gerne so gute Löhne, wie er zahlen kann.
Aber es war eben die Frage, ob und wie lange erst die nationale, dann die internationale
Konkurrenz es ihm erlaubte. Die ganze Wucht derselben, die immer wiederholten Unter—
bietungen ließen den meisten keine andere Wahl als die des Lohndruckes, wenn fie noch
einen Gewinn haben wollten; nur da, wo der Erwerb von Patenten oder Monopolen
gelang, wo durch besondere kostensparende Fortschritte, durch größere Betriebe und
Ersparnis an Generalkosten, durch bessere Technik und neue Maschinen ein anderer
Ausweg sich öffnete, konnten die Unternehmer die alten oder gar höhere Löhne zahlen,
die wachsende Konkurrenz aushalten. — Die Kehrseite zur Herabdrückung der Massen
durch die Konkurrenz ist die Emporhebung einzelner durch wirtschaftliche Monopole.
Die ganze Lehre vom Segen der freien Konkurrenz ist bei der Naturlehre der
Volkswirtschaft im 18. Jahrhundert enstanden unter der Fiktion, daß alle Menschen
von Natur gleich seien, und unter der Beobachtung der damaligen überwiegend kleinen
Betriebe. Das erstere war eine Täuschung, das zweite eine Wahrheit nur für die
damalige Epoche. Zu allen Zeiten gab es verschiedene Menschen, und zu allen Zeiten
stiegen die fähigeren empor, bildeten aristokratische Kreise, wurden die Begründer der
reicheren Familien. Daher war der Wettbewerb zwischen den Individuen nie ein ganz
gleicher. Aber immerhin, die kaufmännischen, landwirtschaftlichen und gewerblichen Be—
triebe, wie sie 1750 — 1850 bestanden, waren der Mehrzahl nach alle klein, ihr Kapital
mäßig; die Kämpfe auf dem Markte stellten sich immer noch dar als ein Ringen von
Dutzenden und Hunderten ähnlicher Kleinbetriebe mit einander, wenn auch die ungleiche
Grundbesitzverteilung, die großen Compagnien, viele Privilegien schon eine Minderheit
in bevorzugte Lage gebracht hatte. Man hoffte, alle diese Vorrechte und Ungleichheiten
verschwänden mit dem Siege der wirtschaftlichen Freiheit.
Viele Vorrechte des Adels, der Zünftler, der Städte fielen auch, aber in dem
beginnenden fieberhaften Wettkampf kamen die fähigsten und rücksichtslosesten so rasch
voran, bildeten sich bald durch die Natur der Sache, durch glückliche Geschäftslage, durch
Erfindungen so beborzugte wirtschaftliche Stellungen, waren die Vorzüge des Groß—
betriebes über den Kleinbetrieb an vielen Stellen bald so groß, daß immer ungleichere
Personen, Vermögen und Geschäftsorganisationen nicht auf allen, aber auf vielen Rärkten,
an vielen Punkten mit einander kämpften. Und so entstand auf einem wachsenden Teil
der volkswirtschaftlichen Arena das Schauspiel, daß statt zweier Gruppen zahlreicher
Klein- und Mittelbetriebe, statt vieler Konsumenten und Produzenten, statt vieler Arbeiter
und vieler Arbeitgeber nur wenige oder gar ein Großer und Maͤchtiger den vielen
Kleinen und Machtlofsen gegenüberftand. Diese Erscheinung meint man, wenn man von
Monopolen in der Volkswirtschaft spricht. Wir haben oben schon darauf hingewiesen,
müssen hier noch etwas auf die Frage eingehen, was ein wirtschaftliches Monopol sei,
wie es wirke.
Man gebraucht den Begriff in ziemlich verschiedenem Sinne; bald nennt man es
Monopol,; wenn ein oder mehrere nur gewisse Vorzüge, größeren Kapitalbesitz, technische
oder persönliche Überlegenheit haben, bald will man als Monopol nur das ganz aus—
schließliche Recht oder die ausschließliche Macht eines Produzenten gelten lassen. Als
rechtliche Monopole stellen sich die Betriebe dar, die der Staat oder die Gemeinde sich
allein vorbehält; im weiteren Sinne die, welche die öffentlichen Gewalten durch Konzessionen,
Patenterteilung und in ähnlichem Wege nur einigen oder wenigen erteilen. Von that—
sächlichen Monopolen spricht man, wo in Zusammenhang mit der Eigentumsverteilung
zewissen Grundstücken, Erzlagern, Kohlenlagern eine bedeutende wirtschaftliche Überlegenheit
zu teil wurde. Man hat sogar alles private Grundeigentum ein Monopol genannt. Auch
besondere persönliche Vorzüge können zeitweise für bestimmte Geschäfte eine Art Monopol—
stellung begründen. Zeitliche und partielle Monopole entstehen, wo vorübergehend,
.B. durch Ernteverhältnisse, kriegerische Ereignisse die Zufuhr von ferne stockt, wo in
dem Umkreise von einigen Meilen die Konkurrenz fehlt. Gewisse Verkehrsanstalten, wie
Kanäle und Posien, Edenbahnen und Telegraphen haben meist jfaktisch ein Monovol,