^ 80
Materieller Fortschritt und Verteilung.
Buch IV.
des Klimas, der geognostischen Beschaffenheit oder natürlichen Lage und
die, wie sie, mit dem Besitze des Landes übergehen.
Eine Verbesserung in der Kulturmethode, die bei gleichen Aus
lagen jährlich zwei Ernten anstatt einer ergibt, oder eine das Arbeits
ergebnis verdoppelnde Verbesserung in den Werkzeugen und Ma
schinen werden offenbar bei einem bestimmten Grundstück dieselbe
Wirkung auf den Ertrag haben, wie eine Verdoppelung der Fruchtbar
keit des Bodens. Der Unterschied aber liegt darin, daß die Verbesserung
der Methode oder der Werkzeuge bei jedem Boden ausgenutzt werden
kann, die erhöhte Fruchtbarkeit aber nur bei dem bestimmten, damit
gesegneten Lande. Die aus zunehmender Bevölkerung entstehende
größere Produktivität der Arbeit kann dagegen meist nur auf dem be
stimmten Lande, dort aber in außerordentlich verschiedenem Grade
ausgenutzt werden.
Stellen wir uns hier eine unbegrenzte Steppe vor, die durch
die ununterbrochene Gleichmäßigkeit der Vegetation den Reisenden
ermüdet. Da kommt das Fuhrwerk des ersten Einwanderers. Er weiß
nicht, wo er sich niederlassen soll — ein Morgen scheint so gut wie jeder
andere. Lsolzbestand, Wasser, Fruchtbarkeit, Lage schließen jede Wahl
aus, und er wird durch den sinbarras äs ricbssss ganz verwirrt. Endlich
hält er, müde des Suchens nach einem Platze, der besser wäre als ein
anderer, an einem beliebigen Platze an und beginnt sich ein bfeim zu
gründen. Der Boden ist jungfräulich und reich, Wild im Überflüsse
vorhanden, die Bäche voll der schönsten Forellen. Die Natur ist in wahrem
Festgewande. Er hat alles, was ihn reich machen würde, wenn er in
einer volkreichen Gegend wäre; dennoch ist er sehr arm. Um nichts von
dem geistigen verlangen zu sagen, das ihn den ersten Besten mit offenen
Armen empfangen lassen würde, so befindet er sich unter allen den
materiellen Nachteilen der Einsamkeit. Er kann für keine Arbeit, die eine
größere Kraftvereinigung erfordert, eine andere temporäre Hilfe finden,
als die seiner Familie oder von Gehilfen, die er permanent halten muß.
Obgleich er Vieh hat, kann er nicht oft frisches Fleisch haben. Denn
um ein Beefsteak zu erhalten, muß er einen jungen Ochsen schlachten.
Er muß sein eigener Schmied, Wagner, Zimmermann und Schuster
sein, kurz, überall und nirgends, mit allem vertraut und bewandert
sein und vor nichts zurückschrecken. Er kann seinen Kindern keinen Schul
unterricht verschaffen, denn dazu müßte er einen eigenen Lehrer halten
und bezahlen. Alles, was er nicht selbst hervorbringen kann, muß er in
Ouantitäten kaufen und auf Vorrat halten, wenn er es nicht entbehren
will, denn er kann nicht immer seine Arbeit verlassen und eine lange
Reise bis zur äußersten Grenze der Zivilisation machen, und muß er es,
so mag ihm das Holen eines Fläschchens Arznei oder der Ersatz eines
zerbrochenen Bohrers seine und seiner Pferde Arbeit für Tage kosten.
Obgleich die Natur verschwenderisch ist, ist der Mensch unter solchen
Verhältnissen arm. Es ist ein leichtes für ihn, genug zum Essen zu er