Full text: Aktive Währungspolitik

4? 
Wenn die Preise sinken. 
Weizen, der Spiritus, die Kohle 100 oder 200 kostet, ist dem Staate 
einerlei,- er berechnet immer denselben Frachtsatz. Und so kommt es, daß die 
Fracht, die bei der Hausse etwa nur 50% des Preises ausmachte, jetzt bei 
der Baisse 60—7O°/ 0 beträgt. Auch die Löhne gehen nicht sofort herunter. 
Die Arbeiter streiken — lieber, als das; sie sich einen Lohnabzug gefallen 
lassen. Zwar geht ja der Lohn mit der Zeit auch herunter,- aber in der 
Zwischenzeit muß der Unternehmer einen Lohn bewilligen, der nicht dem er 
zielbaren Verkaufspreis des Produktes entspricht — oder aber den Betrieb 
einstellen. 
Dieses Benehmen der Arbeiter ist ein Produkt der heute vorherrschenden Lohntheorte, laut 
welcher die Lohnhöhe weniger ein Produkt der Marktverhältntffe als ein solches der sogen. Lohn 
kämpfe sein soll. Darum sucht der Arbeiter zu kämpfen, d. h. zu streiken und zu hungern. Doch 
endet in der Regel dieser sonderbare Kampf (Hungerkunst) mit ganz prosaischem Handeln und 
Feilschen. 2m Grunde ist dieser sogenannte Lohnkampf nichts mehr als ganz gewöhnlicher Kuh 
handel, und das Resultat des selbstmörderischen Kampfes hängt viel mehr von den Marktverhält- 
niffen resp. den Emissionsbanken ab, als von der Fähigkeit der Arbeiter, dem Hunger zu widerstehend 
Atlch die Steuern, sowohl die Staats- wie die Gemeindesteuern, bleiben 
unverändert,- der Steuerbeamte kümmert sich nicht um die Preise der Produkte. 
Die Pacht oder Miete für das Grundstück und Gebäude wird von jedem 
vorsichtigen Unternehmer regelmäßig auf längere Zeit kontraktlich abgeschlossen. 
Gehen nun die preise herunter, so müßten auch Pacht und Miete herunter 
gehen, damit das Gleichgewicht zwischen Erlös und Kosten erhalten wird. 
Aber was kümmert den Besitzer die Sorge seines Pächters. Er besteht auf 
seinem Schein und tröstet höchstens den Pächter mit der Aussicht, die ja die 
Erfahrung wahrscheinlich macht, daß, wenn sich die Baisse ausgetobt, die 
Zeit für eine neue Hausse kommen wird. 
Es ist die Regel, daß fast alle Unternehmer, ähnlich wie die Kaufleute^ 
mit fremdem Geld arbeiten. Sie stecken fast alle bis tief an den Hals in 
Wechselschuldcn, Oblkgatkonenschulden, Kommanditschulden, Hypothekenschulden 
usw. — und alle diese Schulden sind Geldschulden. Hat der Unternehmer für 
Zins und Tilgung jährlich 10 000 zu zahlen, so bleibt die Summe gleich, 
wenn durch Rückgang der Preise der Erlös der Produkte von 100 000 etwa 
auf 80 000 zurückgeht. Die Gläubiger kümmern sich da nicht um die Waren 
preise, sie verlangen ihr Geld zurück auf Heller uud Pfennig, den vollen 
Betrag. Und wer wird ihnen solches übelnehmen, nachdem sie unter der vor 
angegangenen Hausse schwer gelitten hatten? 
Das Produkt des Unternehmens sei 
1000 Ballen Zeug zu 100 gleich 100 000 
Produktionskosten: 
Pacht oder Miete 5000 
Frachten 5000 
Steuern 1000 
Zinsen 9000 
Von den Konjunkturen unberührte Produktionskosten 20 000 20 OOO 
Bleiben dem Unternehmer 80 000
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.