Full text : Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa

Einleitung.
F ormosa  ist  im  April  1895  durch  den  Frieden  von  Shimonoseki
an  Japan  abgetreten  worden.  Hierüber  ergrimmt,  griff
damals  ein  Teil  der  Bevölkerung  zu  den  Waffen  und  lehnte
sich,  verbunden  mit  dem  Reste  der  chinesischen  Truppen,  gegen  die
kaiserlich  japanische  Besatzung  auf.  Dazu  kam,  daß  die  bereits  unter
der  Herrschaft  der  Chinesen  gefürchteten  Räuberbanden,  begünstigt
durch  die  Unruhen  im  Volke,  überall  ihr  Unwesen  trieben.  Nach  alledem ­
  mußten  in  der  ersten  Zeit  der  Besitzergreifung  zahlreiche  militärische ­
  Maßnahmen  getroffen  werden.  Nachdem  die  ganze  Insel  im
Mai  1902  von  Aufständischen  und  Räubern  gesäubert  worden  war,
zog,  von  einzelnen  Gebieten  der  Wilden  abgesehen,  allenthalben  der
Friede  ein,  der  seitdem  nie  wieder  unterbrochen  worden  ist.
Das  anfängliche  Überwiegen  der  kriegerischen  Tätigkeit  hatte
jedoch  auch  in  der  ersten  Zeit  die  Sorge  für  die  Volkshygiene
keineswegs  ausgeschaltet.  Die  hier  in  erster  Linie  zu  lösende
Frage,  die  den  leitenden  Kreisen  zunächst  am  meisten  zu  denken
gab,  war  die,  welche  Stellung  man  den  Opiumrauchern  gegenüber ­
  einnehmen  solle.  Während  in  Japan  das  Opiumrauchen  immer
streng  verboten  war,  fand  man  unter  den  Bewohnern  Formosas  sehr
viele  Opiumraucher  vor.  Noch  nirgends  in  der  Welt  war  damals  etwas
von  einer  Antiopiumbewegung  bekannt.  Wollte  man  das  Verbot  des
Opiumgenusses  wie  im  Inlande,  so  auch  auf  Formosa  unerbittlich
durchführen,  so  mußte  man  bedenken,  daß  eine  solche  Maßnahme  als
eine  grausame  Härte  aufgefaßt  und  von  den  Aufrührern  in  diesem
Sinne  als  Vorwand  und  japanfeindliche  Parole  benutzt  werden  würde.
Anderseits  aber  konnte  das  Opium  auch  nicht  ohne  weiteres  geduldet
werden,  weil  man  ja  dann  nicht  nur  ein  von  der  japanischen  Regierung
bis  jetzt  stets  gewahrtes  Prinzip,  sondern  auch  die  Gebote  der
Humanität  hätte  verletzen  müssen.  Dementsprechend  waren  die  Ansichten ­
  sehr  geteilt.  Da  reichte  der  damalige  Direktor  der  Sanitätsabteilung ­
  des  Ministeriums  des  Innern,  Dr.  med.  Baron  S.  Goto,  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.