Bärlappsamen
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Baldrianwurzel
neben viel Gerbsäure sowie 0,01 o/o ätherisches
öl {Bärentraubenöl). Verwechslungen mit
den Blättern der Preiselbeere und denen von
Vaccinium uliginosum sollen Vorkommen, sind
aber nach der angegebenen Beschreibung leicht
zu erkennen.
Bärlappsamen (Hexenmehl, Freselmehl,
Blitzpulver, Lykopodium, lat. Semen lyco-
podii, frz. Lycopode, Soufre vegctal, engl. Earth-
moos-seeds, Vegetable Sulphur) besteht aus den
Sporen der Kryptogame Lycopodium clava-
tum, die in den Wäldern des mittleren und
nördlichen Europa häufig vorkommt. Die meist
aus Rußland stammende Ware b.ldet ein blaß
schwefelgelbes, zartes, leicht bewegliches, ge-
ruch- und geschmackloses Pulver, das auf dem
Wasser schwimmt, ohne sich zu benetzen, und,
in eine Flamme geblasen, verpufft. Der Fett
gehalt beträgt 500/0. Verfälschungen mit Erbsen
mehl, Stärke u. dgl. lassen sich durch Jodlösung
leicht nachweisen, während ein Zusatz von Schwe
fel sich durch den beim Verbrennen auftreten
den stechenden Geruch offenbart! Weitere Ver
fälschungen mit Pollen von Pinus silvestris und
anderen Pflanzen sind unter dem Mikroskop er
kennbar. Mineralische Beimengungen schließlich
sinken beim Schütteln mit Chloroform unter,
während der B. auf diesem schwimmt. Ver
wendung; als Kinderstreupulver, als Einstreu
pulver beim Metallformenguß und in der Feuer
werkerei.
Bär Wurzel (Bärenwurzel, lat. Radix meu,
frz. Racine de müou, engl. Harts root), die früher
in der Tierheilkunde v.el angewandte, jetzt we
nig mehr gebräuchliche Wurzel von Meum
athamanticum, zeigt einen scharfen gewürz
haften Geschmack und wächst auf den niedri
gen Alpen Österreichs und der Schweiz, Das
aus ihr durch Destillation gewonnene ätherische
Öl (Bärwurzelöl) besitzt eine pomeranzen
gelbe, mit der Zeit dunkler werdende Farbe,
riecht dem Liebstocköl ähnlich und hat ein spez.
Gew. von etwa 1,000.
Baggings sind die groben, aus Jute geweb
ten Säcke für Zucker, Mehl, Getreide, die
namentlich in Schottland hergestellt werden.
Eine zweite Sorte derselben heißt Sackings,
während die feineren Sorten Hessians genannt
werden (vgl. Jute).
Balata, eine der Guttapercha und dem Kaut
schuk ähnliche Substanz, wird aus dem Safte
der Sapota Mülleri, dem Bullytree Guaya
nas, durch Eintrocknen gewonnen. Ein Baum
mittlerer Größe liefert beim Einschneiden jähr
lich 0,3—0,5 kg, beim Fällen auf einmal 3—6 kg
B. Die Ware, die hauptsächlich in der engli
schen Industrie, weniger in Deutschland Ver
wendung findet, hat sich namentlich zur Her
stellung von Treibriemen gut bewährt und wird
außerdem für Schuhsohlen, Absätze und elek
trische Isolatoren, hingegen nicht für chirurgi
sche Instrumente benutzt. Die B. ist graubraun,
rötlichweiß bis bräunlichrot, lederartig zähe,
läßt sich aber schneiden, ist außerordentlich
biegsam und elastischer als Guttapercha. Bei
49 0 C wird sie knetbar und schmilzt bei 149 *>.
Baldrianamyläther (Baldriansaures Amyl-
oxyd, lat. Amylium valerianicum, frz. Valdrate
d’amyle, engl. Valerianate of amyloxyde), der
Amylester der Isovaleriansäure, C 6 H u .,COO.
C„H U , entsteht bei der Destillation von baldrian
saurem Natrium mit Amylalkohol und Schwe
felsäure, oder von Amylalkohol mit Kalium-
bichromat und Schwefelsäure, als eine farblose,
ölige Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,865 und dem
S. P. 188 °, die sich in Alkohol, n.cht aber in
Wasser löst und nach ihrem angenehmen Apfel
geruch Apfelöl (engl. Apple-oil) genannt wird.
Sie findet als Mittel gegen Gallensteine und als.
künstlicher Fruchtäther Verwendung.
Baldrianöl (lat. Oleum Valerianae, frz.Essence
de Valöriane, engl. Oil of Valerian), das äthe
rische Öl der Baldrianwurzel, welches gelbgrün
bis bräunlichgelb ist, mit der Zeit aber dunkel
braun wird.' Es hat starken Baldriangeruch, ein
spez. Gew. von 0,92—0,96, eine Linksdrehung
von —8 bis —13 und enthält neben'Baldrian
säure Kamphen, Pinen, Terpineol und Borneol,
das als Ester, hauptsächlich Valerianat, zugegen
ist, und findet medizinische Anwendung bei Epi
lepsie und Hysterie. Die deutsche Wurzel lie
fert 0,5—0,9, die holländische etwa 1 <y 0 äther. B.
Baldriansaures Chinin (Chininvalerianat,
lat. Chininum valerianicum, frz. Valörianate de
quinine, engl. Valerianate of quinine) bildet
farblose, perlmutterglänzende Kristallschüppchen
von schwachem Geruch nach Baldriansäure und
wird als Arzneimittel viel benutzt.
Baldriansaures Morphium (Morphinvaleri-
anat, lat. Morphinum valerianicum, frz. Vald-
rianate de morphine, engl. Valerianate of mor-
phine), ein weißes kristallinisches Pulver, riecht
nach Baldrian und wirkt giftig.
Baldrianwurzel (gemeiner oder kleiner Bal
drian, Katzenbaldnan, Katzenwurzel, Wund
wurz, lat. Radix Valerianae, frz. Racine de
Valdriane, engl. Valerian root) besteht aus dem
getrockneten graubraunen Wurzelstock von
Valeriana officinalis, welcher mit zahlreichen,
ringsherum angewachsenen strohhalmdicken
Wurzelfasern besetzt ist. Die in frischem Zu
stande weißliche Wurzel, deren starker unan
genehmer Geruch erst beim Trocknen hervor
tritt, wird von trockenen Standorten im Herbste
gesammelt, aber auch in manchen Gegenden
des Harzes und Thüringens, in Nordamerika,
Frankreich und Holland angebaut. Als beste
Sorte gilt die Harzer (Radix Val. montana
Hercynica), während die Thüringer (Thurin-
gica cultivata) weniger geschätzt wird. B. ent
hält als wirksame Bestandteile neben Äpfel
säure, Essigsäure, Ameisensäure, Harz, Stärke
und Zucker etwa 1 0/0 ätherisches Öl, Baldrian
säure und geringe Mengen von Alkaloiden (Va-
lerianin) und wird zur Herstellung magenstär
kender, krampfstillender Mittel (Baldrianöl, B-
Extrakt, B.-Tinktur) benutzt. Die Wurzel muß
rasch getrocknet und in gut verschlossenen Ge
fäßen aufbewahrt werden. Wurzeln anderer Va-
leriana-Arten, welche besonders der wildwach
senden Droge bisweilen beigemischt werden,
sind leicht an dem schwächeren Gerüche sowie
daran zu erkennen, daß sie nur an der unteren
Seite Wurzelfasern tragen. — Die früher als Ra
dix Valerianae majoris offizineile Wurzel von
Valeriana Phu wird jetzt nicht mehr benutzt.
Die in Mexiko" gebräuchliche Wurzel von Vale
riana mexicana, welche in 4 cm dicken Scheiben