Full text : Über die Bedingungen der industriellen Entwicklung Russlands

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Wertpapiere,  die  früher  auf  dem  russischen  Markte  placiert  war,
nunmehr  nach  dem  Auslande  übersiedelte.  Daher  floß  zu  uns
eine  Menge  Gold,  die  die  Einführung  einer  Goldwährung  ermöglichte. ­
  Zur  gleichen  Zeit  kamen  die  früheren  Inhaber  der  Reichsfonds ­
  zu  barem  Gelde,  das  sie  sehr  gut  für  die  Industrie  verwenden ­
  konnten.  Die  russische  Industrieentwicklung  rief  auch  einen
Zuzug  ausländischen  Kapitals  herbei.  Der  Hauptbestandteil  des
Kapitals  aber  kam  aus  dem  Auslande  in  die  russische  Industrie
nicht  auf  direktem,  sondern  auf  indirektem  Wege,  durch  die  zinstragenden ­
  Wertpapiere.
Daraus  können  wir  ersehen,  daß  das  freie  Kapital  an  den
westeuropäischen  Märkten  allein  noch  nicht  imstande  wäre,  einen
Aufschwung  der  Industrie  in  Rußland  hervorzurufen.  Die  auswärtigen ­
  Kapitalisten  haben  kein  Vertrauen  zu  der  russischen
Industrie  und  placieren  ihr  Kapital  hier  nur  ungern.  Um  dieses
Hindernis  aus  der  Welt  zu  schaffen,  ist  die  Garantie  des  Reiches,
die  Vermittlung  der  Reichskrone  notwendig.  Die  Vereinigung
dieser  zwei  Bedingungen  —  Ueberfluß  an  freiem  Gelde  in  Westeuropa ­
  und  die  Vermittlung  des  Staates  —  bietet  uns  eine  Garantie
für  den  Progreß  der  Industrie;  fehlt  eine  dieser  Bedingungen,  so
verliert  unsere  Industrie  den  unentbehrlichen  Lebenssaft.  Der
industrielle  Aufschwung  auf  dem  Weltmärkte  (in  den  Jahren  1905
bis  1907)  hat  keine  entsprechende  Wirkung  auf  den  Stand  der
russischen  Industrie  ausgeübt,  weil  die  Regierung,  geschwächt  durch
den  russisch-japanischen  Krieg  und  die  revolutionäre  Bewegung
der  Jahre  1905/1906,  nicht  die  Rolle  eines  Vermittlers  zwischen
den  Finanzkreisen  des  Auslandes  und  den  russischen  Industriellen
übernehmen  konnte.  Die  Ursache  liegt  also  nicht  darin,  daß  das
ausländische  Kapital  wegen  der  Labilität  unserer  politischen  Verhältnisse ­
  Rußland  zu  vermeiden  sucht  oder,  wie  es  Tugan-Baranowsky
  *)  meint,  daß  sogar  diejenigen  spärlichen  Summen,  die
sich  in  Rußland  befanden,  unter  dem  Einfluß  der  Revolution  nach
dem  Ausland  ausgewandert  haben.  Wie  die  oben  angeführten
Daten  zeigen,  scheute  das  ausländische  Kapital  gar  nicht  so  stark
vor  der  russischen  Industrie.  Der  Zufluß  des  auswärtigen  Kapitals ­
  glich  nämlich;

Der  Zustand  unserer  Industrie  im  letzten  Jahrzehnt  und  die  Ansichten
auf  die  Zukunft,  •  Sowremennyj  Mir«,  1910,  XII,  S.  40,  47;  Grundzüge  der
Nationalökonomie,  1909,  S.  242—243  (russisch).
            
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