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den zehnten Teil gesunken. Während sich aber die neue
Industrie in England, namentlich wegen des enormen
Aufschwungs der Baumwollindustrie,*) rasch entwickelt,
wird sie in Deutschland erst 20 Jahre später aufge
nommen.
Als der Scharfsinn Justus Liebigs im Jahre 1840
in dem Werk über „die Anwendung der Chemie auf
Agrikultur und Physiologie“ der Landwirtschaft die Not
wendigkeit offenbarte, dem Acker diejenigen Mineral
stoffe wieder zuzuführen, die ihm die Ernte dauernd
entzieht, war es die in den Knochen am leichtesten
zugängliche Phosphorsäure, auf die der Landwirt sein
Augenmerk zuerst richtete. Die Herstellung des künst
lichen Phosphatdüngers**) aber erforderte die Fabrika
tion der Schwefelsäure, zu der sich bald die der Leblanc-
Soda gesellte. Die erste deutsche Sodafabrik wird 1843
von Herrmann in Schönebeck bei Magdeburg gebaut.
In Berlin errichtete Kunheim 1844 am Tempelhofer
Feld die erste Schwefelsäurekammer, der alsbald die
*) Die ersten Baumwollkulturen wurden auf Veranlassung von
Tench Coxe im südlichen Nordamerika im Jahre 1786 angelegt.
1791 wurden 2 Millionen engl. Pfund von dort exportiert, 1800
35 Millionen, 1830 350 Millionen, 1896 3190 Millionen. Die Baum
wolle konnte nicht, wie das Leinengewebe auf dem Rasen gebleicht
werden, sondern bedurfte der Behandlung mit Schwefelsäure, Soda
und Chlor. Vgl. A. Binz, Ursprung und Entwicklung der chemi
schen Industrie. Berlin, 1910.
**) Der Weltverbrauch an Phosphatdünger belief sich im
Jahre 1906 auf 8 026 430 t Superphosphat, 2120980 t Thomas
mehl, 327 610 t Phosphoritmehl. Zusammen 10 474 980 t entspre
chend 1624 950 t Phosphorsäure. Vgl. W. v. Schneider, Mine
ralische Düngemittel und Ernteerträge. Riga, 1909.