SPANIEN — Finanzen.
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Marine 9l’229,171 R. — Die Civilliste der Königin ward auf 28,
mit den Apanagen auf 31*72 Mill, herabgesetzt. — Eine ministerielle
Budgetvorlage an die Cortes vom Sept. 1855 erstreckte sich auf das
Jahr 1856 und die erste Hälfte 1857. Darin wurden die Ausgaben
so veranschlagt:
für das Jahr 1856 1,460’965,116 R.
„ „ 1. Semester 57 725 273,292
zusammen 2,186’238,408
Es ergibt sich darnach ein Deficit von 324 Mill., zu dessen
Deckung der Minister vorschlug : Erhöhung der Grundsteuer auf 334
Mill. ; Wiedereinführung der Verbrauchs- und Nahrungssteuern (de
puertas y consumos) bis zum Ertrage von 140 Mill; Erhöhung der
Zölle um 40 Mill. — Die Einkünfte der überseeischen Besitzungen
sind zu 74 Mill, berechnet. — Vom Verkaufe der Nationalgüter
hofft man bis 1. Juli 1857 400 Mill, zu erlösen, bestimmt zur De
ckung des frühem Zwangsanlehens und zur Bestreitung der Kosten
für Geistlichkeit, Unterricht, besondere Gemeindelasten etc.
Nach Maassgabe der älteren Budgets konnte man beiläufig fol
gende Verhältnisse annehmen: Die Domänen lieferten zwischen 70 und
110 Mill. Ertrag; die Colonien zwischen 20 und 105 Mill. — Die di-
recten Steuern etwa 390 Mill., wovon Grund- 300, GewerbSteuer
44 Mill. — Die indirecten Auflagen ertrugen circa 700 Mill. ; davon:
Accise und Octroi 160, Zölle 190, Stempel 24, Tabaksmonopol 160
bis 200, Salzmonopol 80—100, Lotterie 50—90, Bergwerke (Alma
dén etc.) 30—50, Post 24—26, Hypothekensteuer 18 Mill. etc.
(Nach dem Budget für 1856 sind für den Marineetat 94’789,000 R.
bestimmt.)
Geschichtliche Notizen. Ungeachtet des grossen natürlichen Reich
thums des Landes, und ungeachet des 300jährigen Besitzes der Gold-
und Silberminen Perus und Mexicos, befanden sich die Finanzen
Spaniens schon im vorigen Jahrhunderte in zerrüttetem Zustande.
Man schätzte die Einkünfte auf 100 Mill. Piaster, wovon 40—45
aus Spanien selbst flössen, der Rest aus den Colonien kam. Aber
schon 1770 begegnete man einem Deficit von 5 Mill. Piaster dadurch,
dass man nothwendige Ausgaben in den auswärtigen Besitzungen
verschob. — Graf Laborde („Uebersicht der financiellen Lage Spa
niens, 1823“) schätzte die Einkünfte vor der Zeit des Napoleoni-
schon Krieges (1808) auf 700 Mill. Realen. Während dieses Krie
ges hörte selbst jede formelle Ordnung in der Finanzverwaltung auf.
Aber auch nach Jahren war solche nicht hergestellt. 1817 betrugen
die Einkünfte, mit Einrechnung des Ertrages der Colonien, 620 Mill.
Realen ; man hatte dabei ein Deficit von 200 Mill. Das Missverhält-
niss stieg, als man endlich auch an Verzinsung der seit 1808 gar
nicht mehr beachteten Staatsschuld dachte, indess die americanischen
Besitzungen sich immer allgemeiner vom s. g. Mutterlande lossrissen.
1820 schätzte der Finanzminister Canga Arguelles in einer zu Madrid
veröffentlichten Schrift: