Full text : Deutschlands chemische Industrie

Eine  grosse  Bedeutung  hat  das  bis  dahin  in  der  Industrie
unbekannte  Chlorbenzol  gefunden,  das  zum  Ausgangspunkt ­
  einer  grossen  Zahl  von  Zwischenprodukten  für
die  Farbenindustrie  geworden  ist,*)  wie  auch  die  Chloressigsäure, ­
  die  bei  der  Bereitung  des  künstlichen  Indigos ­
  eine  wichtige  Rolle  spielt.

Flüssiges  Aber  auch  die  anorganische  Industrie  hat  sich  die
Chlor  Vorteile  des  elektrolytischen  Chlors  nicht  entgehen
lassen,  zumal  ihr  dieser  reaktionsfähige  Stoff  jetzt  in
sehr  bequemer  Weise,  nämlich  in  flüssigem  Zustande  in
Kesselwagen  von  5000  kg  Nettogewicht,  zur  Verfügung
gestellt  wird.  Den  grössten  Verbrauch  an  flüssigem
Chlor  hat  gegenwärtig  die  Aufarbeitung  eines  Abfallproduktes, ­
  das  noch  vor  25  Jahren  kaum  beachtet  wurde.
Die  bekanntlich  aus  verzinntem  Eisen  bestehenden
Weissblechabfälle  werden  nach  einem  Verfahren  der
Firma  Th.  Goldschmidt  in  Essen  durch  Chlor  entzinnt.
  Diese  Abfälle,  die  hauptsächlich  aus  alten  Konservenbüchsen ­
  bestehen,  werden  in  der  ganzen  Welt
gesammelt,  unter  starker  Pressung  auf  einen  kleinen
Raum  zusammengedrückt  und  in  geschlossenen  Ge-Zinnwieder-fassen
  mit  Chlor  behandelt,  das  zum  Zinn  eine  grössere
gewinnung  Verwandtschaft  besitzt  als  zum  Eisen.  Dabei  entsteht

*)  Beim  Nitrieren  von  Chlorbenzol  erhält  man  Ortho-  und  Paranitrochlorbenzol,
  durch  weiteres  Nitriren  des  letzteren  ein  Dinitrochlorbenzol,
  das  für  die  Herstellung  von  schwefelhaltigen  Farbstoffen ­
  von  Bedeutung  ist.  Das  in  diesen  Verbindungen  sehr
bewegliche  Chlor  lässt  sich  durch  Hydroxyl-  oder  Aminogruppen
ersetzen,  wodurch  Nitrophenole  und  Nitramine  erhalten  werden,
ln  ähnlicher  Weise  lassen  sich  Nitranisole  und  Nitrophenetole
erhalten.  Durch  Reduktion  aller  dieser  Produkte  entstehen  endlich ­
  mannigfaltige  und  wertvolle  Anilinderivate  usf.  Vgl.  B.  Lepsius.
  1.  c.

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