Full text : Deutschlands chemische Industrie

Sicherheitssprengstoffe ­


schaft,  nur  durch  Initialzündung  zum  Explodieren
gebracht  zu  werden,  ohne  diese  aber  gegen  Zündung,
Stoss  und  Schlag  unempfindlich  zu  sein,  und  werden
daher  im  Stückgutverkehr,  wie  jede  andere  Ware,  versandt, ­
  was  zu  ihrer  Verbreitung  in  hohem  Masse  beigetragen ­
  hat.  Wenn  damit  die  Gefahren  erheblich  vermindert ­
  werden  konnten,  so  sind  sie  doch  immer  noch
nicht  völlig  besiegt.*)  Es  ist  bekannt,  dass  der  Kaiser
gerade  der  Bekämpfung  der  Schlagwettergefahr  seine
besondere  Aufmerksamkeit  zugewandt  hat;  ein  neuer
Ansporn  für  die  Wissenschaft,  auch  auf  diesem  Gebiete
der  Volkswohlfahrt  das  dringend  erwünschte  Ziel  der  weitgehenden ­
  Abwendung  dieser  Unglücksfälle  zu  erreichen.**)
*)  Wenn  sich  diese  Gefahren  im  Kampfe  mit  den  Naturgewalten ­
  auch  niemals  ganz  werden  beseitigen  lassen,  so  ist  doch
anzuerkennen,  dass  Deutschland  bei  ihrer  Bekämpfung  an  erster
Stelle  steht.  Der  deutsche  Bergbau  gibt  etwa  33,5  Millionen  Mark
für  die  Unfallverhütung  aus,  das  sind  etwa  14  Prozent  des  Lohnes,
während  sonst  für  soziale  Fürsorge  etwa  8  Prozent  ausgegeben
werden.  Die  Unfallstatistik  der  letzten  25  Jahre  zeigt,  dass  auf
1000  Bergarbeiter  in  dem  Zeitraum  1888—1900  2,6  (gegen  3,5  in
Amerika),  in  dem  Zeitraum;  1901—1911  2,1  Unfälle  kamen.  Von
diesem  Prozentsatz  ist  jedoch  nur  ein  kleiner  Teil  auf  chemische
Ursachen  zurückzuführen,  da  von  100  Unfällen  43  durch  Steinkohlensturz ­
  bedingt  sind,  37  bei  der  Förderung  und  Fahrung  eintreten
  und  sich  nur  3  durch  Schiessarbeiten  und  3  durch  Explosionen ­
  ereignen.  Das  macht  auf  1000  Arbeiter  0,13  chemisch  verursachte ­
  Unfälle.  (Tübben,  Die  Gefahren  des  Bergbaus  und
ihre  Bekämpfung.  Ztschr.  ang.  Chem.  1913,  26,  wirtschaftl.  T.,  S.  167.)
**)  Dem  im  Jahre  1912  bei  der  Eröffnung  der  Dahlemer  Forschungsinstitute ­
  vom  Kaiser  geäusserten  Wunsche,  die  Sicherheit
des  Bergmanns  gegen  diese  Gefahr  durch  geeignete  Instrumente
zu  erhöhen,  scheint  die  Ha  bersche  Schlagwetterpfeife  bereits
entgegen  gekommen  zu  sein,  die  auf  der  Interferenz  der  Töne
in  reiner  und  grubengashaltiger  Luft  beruht  und  mit  Hilfe  der  dem
Ohr  vernehmlichen  Tonstösse  den  Gehalt  der  Grubenluft  an  Methan
genau  zu  bestimmen  gestattet.
            
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