Full text : Deutschlands chemische Industrie

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England  unabhängig  gemacht  zu  haben,  gebührt  Julius
Rütgers.  Seiner  Energie  ist  es  zu  danken,  wenn  die
deutsche  Teerindustrie,  deren  Produktion  im  Jahre  1900
nur  die  Hälfte  der  englischen  betrug,  im  Laufe  von
12  Jahren  England  eingeholt,  wenn  nicht  überflügelt  hat,
obgleich  dort  eine  viel  grössere  Produktionsmöglichkeit
besteht  als  in  Deutschland.  Bei  der  Wichtigkeit  des
Teers,  dieses  Gemisches  zahlreicher,  durch  die  Hitze
der  Retorte  umgewandelter,  komplizierter  Verbindungen, ­
  hat  es  an  seiner  wissenschaftlichen  Durchforschung ­
  nicht  gefehlt.  Viele  Fortschritte  in  der  wissenschaftlichen ­
  Erkenntnis  wie  auch  in  der  Verarbeitung
des  Steinkohlenteers  und  seiner  Destillationsprodukte
sind  mit  dem  Namen  Gustav  Krämer,  einem  Mitarbeiter ­
  Rütgers,  so  eng  verknüpft,  dass  wir  ihm  fast
auf  jeder  Seite  dieses  interessanten  Kapitals  begegnen.
Bis  jetzt  sind  mehr  als  200  wohldefinierte  chemische
Verbindungen  aus  dem  Teer  abgeschieden  worden.  Von
Benzol  diesen  Produkten  bildet  das  Benzol  etwa  10%,  so  dass
davon  in  Deutschland  jährlich  etwa  100  000  Tonnen  im
Werte  von  20  Millionen  Mark  gewonnen  werden,  wovon
etwa  der  fünfte  Teil  ausgeführt  wird.  Man  darf  annehmen, ­
  dass  von  den  im  Inlande  verbleibenden  80000
Tonnen  die  grössere  Hälfte  in  Anilin  übergeführt  wird,
während  der  Rest  zu  anderen  Zwischenprodukten  für
die  Farbenindustrie,  ferner  in  den  chemischen  Wäschereien, ­
  in  der  Automobilindustrie,  zum  Carburieren  von
Leuchtgas  und  vielen  anderen  gewerblichen  Zwecken
verwendet  wird.
Naphthalin,  Von  andern  Produkten  erfahren  wir,  dass  im  Jahre
Anthrazen  igjp  die  deutsche  Naphthalinproduktion  etwa  35  000
Tonnen  im  Werte  von  5  250  000  Mark  betrug,  wovon
für  ly*  Millionen  Mark  exportiert  wurde.  Der  deutsche
            
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