Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 213 
aber doch nie ganz verhindert. So blieb trotz aller Maßregeln 
zu Gunsten der städtischen Konsumenten doch noch die Möglich- 
keit, daß das Korn des deutschen Bauern über die städtische Bann- 
meile hinaus geführt wurde. Und kein Hindernis verbot dem 
Kaufmann, Korn aus dem Ausland in den Handel zu bringen. 
Wir dürfen daher auch das Getreide zu den Gegenständen des 
Großhandels rechnen. Es ist doch eine sehr charakteristische 
Tatsache, daß vermutlich schon im 13. Jahrhundert (1287) Ge- 
treide von Estland nach Flandern verschifft wird!). Will Bücher 
die Tätigkeit des hansischen Kaufmanns, der deutsches Korn aus- 
führt, in seinem Bilde nicht mit verwerten???) Der Getreide- 
handel ging nicht bloß über das Gebiet einer einzelnen Stadt, 
sondern über das des Volks hinaus. Die Hanse versorgt mit Ge- 
treide Rußland, Skandinavien, Niederlande, sogar Spanien 
und Portugal. Wolle wird nicht bloß von England nach Deutsch- 
land in größter Menge verfrachtet, sondern auch innerhalb des 
deutschen Landes von einem Bezirk zum andern umgesetzt. 
Allerdings werden hier die Grundsäte der Stadtwirtschafts- 
politik in ähnlicher Weise durchgeführt wie bei dem Getreide: 
man sucht den heimischen Webern die in der Umgegend der 
Stadt produzierte Wolle nach Möglichkeit direkt zuzuführen 
und schränkt damit ihren Übergang in den Großhandelsverkehr 
ein?). Merkwürdig ist es, daß Bücher die Stellung übersieht, 
die der Waid, dieses unentbehrliche Färbekraut, im Handel 
besitt. Da sein Anbau auf verhältnismäßig wenig Landschaften, 
1) Stieda, Revaler Zollbücher, Einl. S. 101. 
2) Nur ein Beispiel: Bremen an Braunschweig (Hans. Urkunden- 
buch 3, N. 184): eives civitatum Saxonie apportantes frumenta sua 
ad civitatem nostram. Vgl. Schäfer, DLZ. 1891, Sp. 314 ff. Cursch- 
mann, Hungersnöte S. 44 u. 52. Meine ,„Mittelalterl. Stadtw. u. 
gegenwärtige Kriegswirtschaft" S. 19 ff. Territorium und Stadt 
S. 42. Lüneburger Stadtbuch S. LXXXV]. F. Semrau, Der Ge- 
htzitetenvel der deutschen Hanse (Münchener Diss. v. 1911). Val. 
X, N.. . 
3) Vgl. z. B. Bruno Hildebrand, Jahrbücher f. Nationalökonomie 
7, 90; Techen, Hansische Geschichtsblätter 1897, S. 26.
	        
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