Full text : Deutschlands chemische Industrie

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Indigo

An  der  Schwelle  des  neuen  Jahrhunderts  angelangt,
dürfen  wir  noch  ein  Blatt  dieser  farbenreichen  Geschichte
aufschlagen.  Die  Erfindung  der  synthetischen  Gewinnung
des  Indigos,  des  schönsten  und  haltbarsten  Farbstoffes
des  Altertums,  gehört  deshalb  zu  den  grössten  Triumphen
der  deutschen  Farbenchemie,  weil  sowohl  ihre  wissenschaftliche ­
  Entdeckung  wie  auch  ihre  technische  Durchführung ­
  ein  ungewöhnliches  Mass  von  Intelligenz,  Ausdauer ­
  und  Unternehmungsgeist  erforderten.
20  Jahre  planvoller,  scharfsinniger  Forschungsarbeit
hatte  es  bedurft,  bis  Adolf  von  Baeyer  im  Jahre  1880
den  künstlichen  Aufbau  des  Indigos  aus  dem  Steinköhlenteer ­
  vollendet  hatte;  aber  noch  17  Jahre  hat  es
gedauert,  bis  die  Lösung  des  grössten  wirtschaftlichen
Problems  der  Teerfarbenindustrie,  die  Konkurrenzfähigkeit ­
  des  synthetischen  Indigos  mit  dem  Farbstoff  der
Indigopflanze,  nach  rastlos  zielbewusster  Arbeit  unter
der  genialen  Leitung  Heinrich  von  Bruncks  durch
die  Tatkraft  von  R.  Knietsch  in  der  Badischen  Anilin- ­
  und  Sodafabrik  unter  Benutzung  der  Heumannschen
  Indigosynthese  aus  Phenylglyzin-Carbonsäure  erreicht ­
  wurde.  Nach  vielen  vergeblich  eingeschlagenen
Wegen  bediente  man  sich  wiederum  des  im  Steinkohlenteer ­
  so  reichlich  vorhandenen  billigen  Naphthalins  als
Ausgangsmaterials.  Aber  es  bedurfte  einer  langen  Reihe
komplizierter  Umwandlungen,  um  bis  zum  Endprodukt
zu  gelangen.  Um  das  Naphthalin  in  Anthranilsäure  zu
verwandeln,  musste,  wie  bereits  erwähnt,  das  billigste
Oxydationsmittel,  die  Schwefelsäure,  herangezogen  und
die  Einrichtung  getroffen  werden,  jährlich  120  Millionen
Kubikmeter  gasförmige  schweflige  Säure  mit  Hilfe  des
neuen  Kontaktverfahrens  wieder  in  Schwefelsäure
zurückzuverwandeln.  Zur  Beschaffung  eines  anderen
            
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