Full text : Deutschlands chemische Industrie

Der  durch  ihre  antineuralgischen  Wirkungen  ausgezeichneten, ­
  schon  1860  von  Kolbe  als  eines  der  ersten
synthetischen  Heilmittel  gewonnenen  Salizylsäure  folgten
zahlreiche  Derivate,  unter  denen  zurzeit  ihre  Azetyl-Verbindung,
  das  Aspirin  der  Elberfelder  Farbenfabriken, ­
  eine  bedeutende  Rolle  spielt.
Unter  den  neuen  Gichtmitteln  sind  es  vornehmlich
die  stickstoffhaltigen  Ringkörper,  das  schon  1890  von
A.  W.  Hofmann  entdeckte  Diäthylendiamin  oder
Piperazin,  das  vom  Chinin  abstammende  Chinolin  und 1
seine  Derivate,  die  wegen  ihrer  harnsäurelösenden  Kraft
zahlreiche  wirksame  Heilmittel  gebracht  haben,  von
denen  das  Lysidin,  das  Urotropin  genannt  werden  mögen
und  vor  allem  das  von  der  Scheringschen  Fabrik  eingeführte ­
  Atophan,  ein  Derivat  der  Cinchoninsäure,  das
durch  seine  starke,  Harnsäure  ausscheidende  Wirkung
bei  Gicht  und  Gelenkrheumatismus  mit  grossem  Erfolge
Verwendet  wird.
Auch  auf  die  Gewinnung  wirksamer  Stoffe  animalischen ­
  Ursprungs  hat  sich  die  synthetische  Forschung,
in  der  sog.  Organotherapie  ausgedehnt.  Dem  wirksamen
Ferment  der  Schilddrüse,  dem  jodhaltigen  Thyreoidin,
folgte  die  den  Blutdruck  steigernde,  die  Gefässe  verengende ­
  wirksame  Substanz  der  Nebenniere,  das  Adrenalin,*) ­
  das  von  F.  Stolz  synthetisch  aufgebaut  und
von  den  Höchster  Farbwerken  als  Suprarenin  in  den
Arzneischatz  als  das  beste  blutstillende  und  adstringie-*)

  Zur  Herstellung  von  einem  Kilogramm  Adrenalin  sind  die
Nebennieren  von  40  000  Ochsen  erforderlich;  dieses  und  andere
Drüsenpräparate  werden  gegenwärtig  in  den  grossen  amerikanischen ­
  Schlachthäusern  hergestellt.  (C.  Duisberg.  Fortschritte
und  Probleme  der  chemischen  Industrie.  Ztschr.  ang.  Chemie  1913,
26,  1.)
Lepsius:  !  Deutschlands  Chemische  Industrie.  6

Antineuralgika


Organotherapie ­

            
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