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I. Abschnitt.
Fabrikation beeinflußt werden, in dem gleichen Zeitraum die allerdings
schwache Ausfuhr sogar noch um etwas gestiegen ist. Das Umge
kehrte gilt von den Ländern, deren Ausfuhr an Fette liefernden
Früchten (hauptsächlich Palmöl und Palmkerne sowie Kopra) und aa
Kautschuk erst mit dem steigenden Bedarf der europäischen Industrie
während des letzten Vierteljahrhunderts sich stärkerer Beachtung er
freuen als vordem.
Ja noch mehr. Mit der Vervollkommnung der heutigen Technik
ist selbst die Wertschätzung solcher geographischen Charakterzüge
eines Landes eine andere geworden, in denen man früher geradezu
eine wirtschaftliche Benachteiligung erblickte. Die vor Jahrzehnten
auch unter den Geographen noch allgemein verbreitete Minder
schätzung der häufig von Strom sehn eilen und Fällen unterbrochenen
Wasserläufe beginnt einer anderen Auffassung zu weichen, seit die
Elektrotechnik uns gelehrt hat, in diesen unversiegbare Kraftspender
zu erblicken.
Beispiel: Gerade das wirtschaftsgeographische Bild des afrikanischen Kon
tinents beweist uns die Kichtigkeit dieses Satzes. Wo seinerzeit die Augen eines
Li vingstone und eines Eduard Mohr im Angesicht eines der größten Wunder
der Schöpfung die Viktoriafälle des Sambesi als herrliches Landschaftsbild er
blickten, da hat der praktische Sinn ihrer Nachfolger Anstalten getroffen, die fern
im Süden Afrikas gelegenen Goldfelder mit dem unentbehrlichen elektrischen Strom
zu versorgen. Und die Trockenheit der Luft über den Hochsteppen Südafrikas, in
der man sonst vorwiegend Nachteiliges sah, kommt solchen Anlagen als fördernde
Eigenschaft der Natur zu Hilfe. Wieder ein Beweis für die Aenderung unseres
Werturteils über geographische Dinge, nicht aber für eine Umgestaltung der Er
scheinungen selbst, mit der in menschlichen Willensmaßnahmen der Nationalökonom
so oft zu rechnen hat.
§ 2. Die Arbeitsweise der Wirtschaftsgeographie;
die geographische Statistik.
Im Gegensatz zu den Untersuchungsgebieten der physikalischen
Erdkunde besteht dasjenige der Wirtschaftsgeographie zum nicht ge
ringen Teil aus zahlenmäßig festgelegten Beobachtungen und Er
hebungen. Indem sie aber die Abhängigkeit der auf statistischem
Wege gewonnenen Tatsachen und Erscheinungen von räumlich ge
bundenen Erscheinungen feststellt, bedient sie sich in weitgehendem
Maße der Ergebnisse allgemein-geographischer Untersuchungen. So
bedient sie sich bei der Behandlung der Produktion in erster Linie
der Hilfeleistung der Klimatologie, bei der Erörterung des Verkehrs
dienen als fernere Hilfsdisziplinen die Orographie und die Hydro
graphie sowie abermals die Klimatologie usw. Durch die Heran
ziehung dieser und anderer geographischer Sonderwissenschaften ge
winnt ihre Tätigkeit abermals im Gegensatz zur Nationalökonomie
einen speziell geographischen Charakter.
Beispiel: Die Produktionsstatistik führt den Nachweis, daß die Weizen
erzeugung Großbritanniens seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts einen erheblichen
Rückgang erfahren hat. Man würde ohne Berücksichtigung der räumlichen Be
sonderheiten daraus den in der Tat oft auf diese Verringerung begründeten Schluß
ziehen, daß die industrielle Entwickelung allein die Schuld an der Verminderung
des Getreidebaues trage. Nun lehrt aber die wirtschaftsgeographische Untersuchung
zunächst, daß dieser Rückgang zwar in Schottland und auch in Nordengland in
sehr starkem Maße stattgefunden hat, daß dagegen der Weizenbau in Südostengland
im Beginn der 90er Jahre noch fast ebenso ausgedehnt war wie zu Anfang der
70er Jahre. Wenn das in jener Zeit bereits sehr lebhafte Anwachsen der Industrie