Full text : Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

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I.  Abschnitt.

eine  außerordentlich  starke  handelsgeographische  Spannung  zwischen  beiden  Ländern
besteht.  Vergleichen  wir  dagegen  die  Dichtezahlen  beider  Erdgebiete,  so  übertrifft ­
  das  britische  Inselreich  die  südamerikanische  Republik  fast
um  das  Vierfache,  d.  h.  das  europäische  Gebiet  zeigt  damit  sofort  seine  in  der
Natur  begründeten  Vorzüge  gegenüber  den  argentinischen  Weideflächen.
Daß  die  Berücksichtigung  des  Raumes  auch  bei  der  Darstellung  kleinerer  Landschaften ­
  eine  wesentliche  Pflicht  der  geographischen  Statistik  ist,  lehrt  uns  selbst
die  Nebeneinanderstellung  kleinerer  Landschaften.  Bleiben  wir  bei  der  Zahl  der
Rinder  stehen,  so  zeigt  ein  Vergleich  zweier  Land  Wirtschaftsgebiete  innerhalb  Preußens
die  Notwendigkeit  beider  zahlenmäßigen  Beziehungen.  In  den  ersten  Jahren  des
laufenden  Jahrhunderts  kamen  im  Regierungsbezirk  Köslin  auf  je  1000  Einwohner
460,  in  Sigmaringen  620  Rinder.  Dabei  betrug  die  Dichte  in  dem  pommerschen
Gebiet  nur  20,  in  dem  zweiten  Bezirk  aber  rund  das  Doppelte  dieser  Zahl.  Der
Hochlandcharakter  der  süddeutschen  Landschaft  tritt  demnach  in  der  Verrechnung
auf  die  Fläche  viel  deutlicher  hervor  als  in  dem  Verhältnis  der  Rinderzahl  zur  Bevölkerung. ­

Um  mit  möglichster  Zuverlässigkeit  urteilen  zu  können,  soll  sich
der  Geograph  hei  jeder  Zahlenverwertung  fragen,  ob  sich  nicht  an
Stelle  der  Beziehung  von  beweglichen  Größen  (Einwohnern)  auf  den
Raum  eine  solche  finden  läßt,  die  auch  jene  in  einer  festeren  Verbindung ­
  mit  dem  Boden  zeigt  als  sie  dem  Einzelwesen  eigen  ist.
Bei  einiger  Ueberlegung  ist  es  keineswegs  schwer,  solche  Verknüpfung
zwischen  Mensch  und  Raum  zu  finden.  Schon  in  der  grundlegenden
Raumverrechnung  der  Bevölkerung  auf  die  Einheitsfläche  lassen  sich
solche  an  Stelle  oder  als  Ergänzung  zur  bisher  fast  allein  üblichen
Angabe  der  Volksdichte  einführen,  die  ein  viel  klareres  Urteil  über
die  wirtschaftliche  Stellung  bestimmter  Gebiete  gestatten.  Der  einzelne
Mensch,  der  in  der  Volksdichtezahl  in  Beziehung  zum  Raume  gesetzt
wird,  steht  ihm  als  Glied  eines  Volkes  durchaus  als  bewegliche  Größe
gegenüber.  Das  ist  indessen  sofort  anders,  wenn  wir  ihn  in  seiner
wirtschaftlichen  Stellung  zum  Raume  erfassen.  Dann  erscheint  er  in
der  Regel  an  einen  festen  Wohnsitz  und  damit  doch  wieder  an  eine
bestimmte  Stelle  innerhalb  des  Erdraumes  gebunden  und  diese  Beziehung ­
  zur  Fläche  eines  Staates  gibt  den  Einwohnerzahlen  eine  viel
leichter  faßliche  Gestalt  als  die  allgemein  übliche  Nebeneinanderstellung ­
  bloßer  Volksdichtezahlen.  Wir  können  die  Bedeutung  einer
Landschaft  oder  eines  Landes  aus  dem  Verhältnis  von  Einwohnerzahlen ­
  zum  Raume  viel  besser  beurteilen,  wenn  wir  die  Dichte  der
verschiedenen  Größenklassen  von  Siedelungen  miteinander  vergleichen.
Beispiel:  Die  Volksdichte  in  Deutschland  und  in  Italien  war  um  1910  mit
120  und  121  fast  genau  die  gleiche.  Dagegen  betrug  die  Zahl  der  Großstädte  auf
je  100000  qkm  im  Deutschen  Reiche  9,  in  Italien  nur  4,5  und  ein  ähnliches  Bild
ergibt  die  Verrechnung  der  größeren  Mittelstädte  auf  die  Einheitsfläche.  So  tritt
der  ländlichere  Charakter  des  südeuropäischen  Königreichs  gegenüber  der  auch  in
Industrie  und  Handel  bedeutenden  mitteleuropäischen  Großmacht  viel  deutlicher  in
Erscheinung  als  auf  andere  Weise,  während  er  in  der  Volksdichtezahl  überhaupt
nicht  zum  Ausdrucke  kommt.
Ganz  ähnlich  liegen  die  Dinge  bei  der  Statistik  des  Verkehrs.
Wo  bewegliche  Dinge,  zu  denen  sämtliche  der  Beförderung  von
Menschen  und  Gütern  dienende  Fortbewegungsmittel  gehören,  in
Betracht  kommen,  wird  die  Beziehung  auf  die  Einheit  der  Bevölkerung
unter  Umständen  recht  deutliche  Bilder  der  Verkehrs  Verhältnisse  geben.
Doch  auch  hier  ist  eine  Beziehung  auf  den  Raum  höchst  wünschenswert, ­
  wenn  sie  sich  durchführen  läßt.  Das  ist  da  der  Fall,  wo  die
Beförderungsmittel  an  bestimmte,  im  Raume  festliegende  Linien  gebunden ­
  sind,  wie  die  Fahrzeuge  der  Binnenschiffahrt  an  Flüsse  und
            
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