Full text: Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

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II. Abschnitt. 
keiner Weise mit derjenigen messen können, welche der Pelzhandel 
für größere Teile der Erde erlangt hat. 
Die Temperaturwirkungen auf die Pflanzenwelt im allgemeinen 
sind so grundlegend, daß sie hier nicht im einzelnen behandelt werden 
können. Sie sind auch erfahrungsmäßig bereits so bekannt, daß es 
sich höchstens bei der Neueinführung bestimmter Gewächse in ein 
Gebiet um besondere Untersuchungen der Wärme und ihres Ganges 
in dem betreffenden Lande handeln wird. Aber in anderer Weise 
hat dieser klimatische Faktor in der Produktion neuerdings eine 
eigenartige Bedeutung erlangt. Mit der fortschreitenden Steigerung 
der Lebenshaltung in den Kulturländern der nördlichen Halbkugel 
ist man immer mehr bemüht, einen Austausch der pflanzlichen Er 
zeugnisse während der verschiedenen Jahreszeiten in die Wege zu 
leiten. Die Ausnützung klimatischer Einwirkungen bei ein und dem 
selben pflanzlichen Produkt im Handel ist ein Beweis für die Wichtig 
keit, die man dem Studium der Temperaturwirkungen in der Wirt 
schaftsgeographie beimessen soll. 
Beispiel: Die Verfrühung, welche die Beifezeit bestimmter Gemüse und 
Früchte in südlichen Landschaften erfährt, hat schon lange einen lebhaften Handel 
in diesen Dingen zwischen Büdeuropa auf der einen und Mittel- und Nordeuropa 
auf der anderen Seite hervorgerufen. Noch wichtiger aber war der Eintritt gewisser 
Gegenden auf der Südhalbkugel in den Verkehr mit Früchten, da dort die Reife 
zeiten denen von Europa genau entgegengesetzt sind. Wenn von Britisch-Südafrika 
1906 60000 Kisten mit frischem Obst über See gingen, 1911 aber bereits 246000 
Kisten, so ergibt sich daraus, daß man ganz systematisch bemüht ist, diesen Gegen 
satz im Gange der Temperatur zur Grundlage eines lebhaften Handels zu machen. 
Aehnlich liegt es wieder in anderen Gebieten, wie denn aus Britisch-Ostafrika neuer 
dings Früchte wieder zu einer anderen Jahreszeit ausgeführt werden. Was in 
diesem Falle mit einem Genußmittel geschieht, das könnte bei richtiger Berück 
sichtigung der Temperaturverhältnisse schließlich auch mit anderen Erzeugnissen 
der Pflanzenwelt versucht werden. Jedenfalls zeigt sich auch hier die Bedeutung 
bestimmter Gegensätze geographischer Natur für den Handel. 
Von der gleichen Bedeutung für die landwirtschaftliche Produk 
tion, welche dem Handel ja die wichtigsten Güter liefert, sind die 
Niederschläge. Auch hier kann nicht auf den Einfluß besonders 
starker oder besonders schwacher Begen auf die Entwicklung der 
Pflanzen- und damit im Zusammenhänge auch auf diejenige der Tier 
welt eingegangen werden. Nur auf einen wenig beachteten Punkt 
muß an dieser Stelle aufmerksam gemacht werden. Es ist eine ver 
kehrte Anschauung, wenn man sich die durch starke und namentlich 
durch häufig sich wiederholende Regen ausgezeichneten Gegenden als 
die der größten Produktionsfähigkeit vorstellt. Dem ist keineswegs 
überall so. Denken wir nur an Großbritannien und Irland, so er 
kennen wir, wie sehr dort der eigentliche Ackerbau, zumal Getreide- 
und Kartoffelkulturen, unter den für diese Zweige des Landbaus viel 
zu häufigen und starken Regen leiden müssen. In der Tat sind es ja, 
wie schon gezeigt wurde, in England und Südschottland viel weniger 
das Uebergewicht der Industrie, die Besitzverteilung und ähnliche 
Ursachen nationalökonomischen Ursprunges gewesen, die den Acker 
bau (im engeren Sinne, also nicht etwa die Vieh Wirtschaft) immer 
bedeutungsloser gemacht haben, sondern die vielen und ergiebigen 
Regen, die in einem großen Teile des Inselreiches herrschen. (Vgl. 
das Beispiel auf S. 4.) 
Für eine ganze Reihe von Kulturen, die gerade für den Handel 
von besonderer Bedeutung sind, kommt es sogar darauf an, daß ein
	        
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