§ 3. Geographie der Gütererzeugung.
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gewisser Gegensatz zwischen feuchterer und trocknerer Zeit besteht.
Ebenso muß die Wirtschaftsgeographie weit mehr als bisher den
Gang, d. h. die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge, beachten.
Sie ist oft von viel größerer Wichtigkeit als die Jahresmenge.
Beispiel: In trockenen Landschaften der milderen Zonen ist man in neuerer
Zeit zu einer Form der Bodennutzung gekommen, hei der in der Hoffnung auf eine
gute oder doch wenigstens dem Durchschnitt entsprechende Regenzeit die Aussaat
bestimmter Feldfrüchte ohne Rücksicht auf künstliche Wasserzufuhr im freien Felde
erfolgt. Man riskiert dabei, daß sich unter einer Reihe aufeinander folgender Jahre
die größere Anzahl als Fehljahre erweisen, fährt aber dabei immer noch viel besser,
als wenn man die betreffenden weniger wertvollen Ackergewächse mit Hilfe kost
spieliger Bewässerungsanlagen ziehen wollte. Nun kommt es auch dabei viel weniger
auf die Menge als auf den Gang der Regen an. So rechnet man in Deutsch-
Südwestafrika, daß in den Gegenden mit mehr als 30 cm mittlerer Regenhöhe solche
Trocken farm erei getrieben werden könne. Das geht aber nur darum an, weil auch
die schwächeren Jahresmengen in unserer Kolonie sich auf eine viel kürzere Zeit
zusammendrängen, als etwa in den ebenso stark beregneten inneren Landschaften
der Kapkolonie, wo sie sich anstatt über nur drei Monate wie im Schutzgebiet über
deren neun verteilen, so daß die Niederschläge der meisten Monate der auf Trocken
farmen gesetzten Saat nicht zum Gedeihen Verhelfen können, während sie das in
Deutsch-Südwest in ausgiebigem Maße tun.
Weiterwirkend zeigt sich sogar in der Entwicklung der Tierwelt
die große wirtschaftliche Bedeutung der Gegensätze in der atmo
sphärischen Bewässerung eines Landes. Die wildreichsten Gegenden
der Länder sowohl in der tropischen wie auch in der subtropischen
Zone waren nicht diejenigen, die sich durch die stärksten Nieder
schläge auszeichneten, sondern die, in denen der Gegensatz zwischen
der feuchten und der trockenen Zeit weniger die Entstehung ge
schlossener Wälder als vielmehr halb- oder ganz offener Weideland
schaften begünstigte. Die Länder ehemaligen Wildreichtums aber sind
auch die gegebenen Landschaften der in großem Maßstabe betriebenen
Vieh Wirtschaft, und so erkennen wir auch hier den großen Einfluß,
den die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge auf das Wirtschafts
leben des Menschen ausübt.
Es gilt daher von der wirtschaftsgeographischen Betrachtung
eines Landes dasselbe wie von derjenigen der hygienischen Wirkungen
des Klimas. Wir müssen uns hüten, die bisher vorwiegend zur Be
urteilung benutzten Durchschnittswerte der klimatischen Faktoren zu
überschätzen, da die jahreszeitlichen für die Gütererzeugung zumeist
viel wichtiger sind. Einen Beweis dafür liefert uns nicht selten das
Gedeihen eines Gewächses oder eines wertvollen Tieres in einer
kleinen Landschaft, während es in den unmittelbar benachbarten
Strichen keine Rolle in der Produktion spielt.
Beispiel: Bekanntermaßen zeichnet sich das Kapland durch die Erzeugung
guter, zum Teil sogar vorzüglicher und feuriger Weine aus, die einen wertvollen
Handelsartikel bilden. Der Weinbau beschränkt sich indessen hier auf den Süd
westen, der sich durch seine winterlichen Niederschläge außerordentlich von den
übrigen, ihm klimatisch sonst sehr ähnlichen Landschaften unterscheidet. So fällt
die Zeit der eigentlichen Reife in die trockneren Monate, und damit ist eine Haupt
bedingung des rentablen Anbaus der Rebe nur hier erfüllt, während im Osten Süd
afrikas die Kultur des Weinstockes wenig Aussicht auf Erfolg bieten würde.
Wie wichtig die Beachtung der jahreszeitlichen Lebensbedingungen einer solchen
Pflanze ist zeigt ein Blick auf unsere südwestafrikanische Kolonie. Nach von mir
wiederholt 'gemachten Vorschlägen sollte man auch dort mit der Erzeugung feuriger
Südweine beginnen. Daß von angeblich landeskundlicher Seite, wie z. B. von
Rohrbach, diese Möglichkeit bestritten ist, zeugt gerade von der Notwendigkeit
einer wirtschaftsgeographischen wie allgemeingeographischen Vorbildung auch der
Dove, Allgemeine Wirtschaftsgeographie. 2