18
II. Abschnitt.
Kolonialpolitiker, die diesen wie im vorliegenden Falle häufig genug fehlt. Denn
in den Trockengebieten des Südens und Westens ist der Weinstock, der hier selbst
verständlich künstlicher Bewässerung bedarf, denselben Lebensbedingungen unter
worfen, die er in den für seinen Anbau am meisten geeigneten Gegenden vorfindet.
Nichts beweist besser als das hier Angeführte die Notwendigkeit sorgfältigsten Stu
diums auch der natürlichen Grundlagen alles Wirtschaftslebens, als daß der hier
angeführte Autor das Gedeihen der Dattelpalme im Schutzgebiete betont, die noch
weniger als südliche Weinsorten Regen während der Reifezeit vertragen kann.
Neben den beiden wichtigsten klimatischen Elementen, der Luft
wärme und dem Regen, tritt der Einfluß der anderen auf das Ge
deihen von Pflanzen und Tieren, diesen Hauptträgern der Güter
erzeugung, völlig in den Hintergrund. Doch können sie unter Um
ständen auch im wirtschaftlichen Leben eine gewisse Bedeutung er
langen. Selbst dem Licht, das ja keineswegs nur in der Photographie
eine Rolle spielt, kann eine solche zukommen. So wurde unlängst
in Fachkreisen darauf hingewiesen, daß die Diamantenbearbeitung
schwerlich jemals eine Stätte in London finden werde, weil — die
Lichtverhältnisse bei dem häufig dort herrschenden Nebel und der
unsichtigen Luft dazu nicht günstig genug seien. Macht diese Angabe
einen etwas eigenartigen Eindruck, so ist keine Frage, daß nament
lich die Dauer der Belichtung für viele Produktionszweige entschieden
in Frage kommt. Daß die Arbeiten unserer mitteleuropäischen Land
wirtschaft im Freien gerade in der Zeit angestrengtester Tätigkeit
immer noch mit nicht gerade übermäßigen Arbeitskräften geleistet
werden können, wird nicht zum wenigsten dadurch begünstigt, daß
die Dauer der Tageshelligkeit, die Zeit der helleren Dämmerung
selbstverständlich miteingeschlossen, hier schon gegenüber dem Süden
Europas eine sehr beträchtliche Ausdehnung erfährt. So dehnt sie
sich in Mitteldeutschland während des ungefähren Beginns der Ernte
zeit bis auf etwa 17 Stunden aus, um noch beim Schluß der haupt
sächlichsten Erntearbeiten eine Dauer von beinahe 14 Stunden zu
erreichen. Berücksichtigen wir demgegenüber, daß die Dauer der
für Arbeiten im Freien ausreichenden Helligkeit beispielsweise in dem
ebenfalls auf Landwirtschaft, wenn auch nicht auf Feldbau ange
wiesenen Südwestafrika in der mittleren Breite des Landes (etwa im
Hauptorte Windhuk) sich während der Hauptwachstumszeit auf nur
etwa 13 Stunden beschränkt und daß hier unter allen Umständen die
mittleren Tagesstunden der Sonnenstrahlung wegen für anstrengende
Körperarbeit unberücksichtigt bleiben sollen, so erkennen wir die
Bedeutung gerade dieses geographischen Zuges für das Wirtschafts
leben, der meines Wissens bisher außer von mir in wirtschafts
geographischen Untersuchungen nirgends hervorgehoben worden ist.
Wenn somit die Belichtung im Wirtschaftsleben für alle auf die
natürliche Helligkeit angewiesenen Arbeiten bei der Erzeugung von
Gütern eingehendere Beachtung verdient, so ist dem Feuchtigkeits.-
gehalt der Luft wieder mehr eine lokale Bedeutung beizumessen.
Innerhalb kleinerer, aber gleichwohl oft recht wichtiger Erdgebiete
erreicht er dagegen nicht selten eine sehr große Wichtigkeit. Sein
Einfluß äußert sich dabei keineswegs etwa nur in einer die Produktion
fördernden Weise. Ueberall, wo etwa bei der Trockenhaltung be
stimmter Gegenstände ein Uebermaß des Dampfgehaltes der atmo
sphärischen Luft nachteilig ist, kann dieser einen sehr wesentlichen
Einfluß auf die Produktion gewinnen. Es sei nur daran erinnert,
daß in manchen Gegenden, wie an einzelnen Küsten, die Herstellung