Full text: Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

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II. Abschnitt. 
Kolonialpolitiker, die diesen wie im vorliegenden Falle häufig genug fehlt. Denn 
in den Trockengebieten des Südens und Westens ist der Weinstock, der hier selbst 
verständlich künstlicher Bewässerung bedarf, denselben Lebensbedingungen unter 
worfen, die er in den für seinen Anbau am meisten geeigneten Gegenden vorfindet. 
Nichts beweist besser als das hier Angeführte die Notwendigkeit sorgfältigsten Stu 
diums auch der natürlichen Grundlagen alles Wirtschaftslebens, als daß der hier 
angeführte Autor das Gedeihen der Dattelpalme im Schutzgebiete betont, die noch 
weniger als südliche Weinsorten Regen während der Reifezeit vertragen kann. 
Neben den beiden wichtigsten klimatischen Elementen, der Luft 
wärme und dem Regen, tritt der Einfluß der anderen auf das Ge 
deihen von Pflanzen und Tieren, diesen Hauptträgern der Güter 
erzeugung, völlig in den Hintergrund. Doch können sie unter Um 
ständen auch im wirtschaftlichen Leben eine gewisse Bedeutung er 
langen. Selbst dem Licht, das ja keineswegs nur in der Photographie 
eine Rolle spielt, kann eine solche zukommen. So wurde unlängst 
in Fachkreisen darauf hingewiesen, daß die Diamantenbearbeitung 
schwerlich jemals eine Stätte in London finden werde, weil — die 
Lichtverhältnisse bei dem häufig dort herrschenden Nebel und der 
unsichtigen Luft dazu nicht günstig genug seien. Macht diese Angabe 
einen etwas eigenartigen Eindruck, so ist keine Frage, daß nament 
lich die Dauer der Belichtung für viele Produktionszweige entschieden 
in Frage kommt. Daß die Arbeiten unserer mitteleuropäischen Land 
wirtschaft im Freien gerade in der Zeit angestrengtester Tätigkeit 
immer noch mit nicht gerade übermäßigen Arbeitskräften geleistet 
werden können, wird nicht zum wenigsten dadurch begünstigt, daß 
die Dauer der Tageshelligkeit, die Zeit der helleren Dämmerung 
selbstverständlich miteingeschlossen, hier schon gegenüber dem Süden 
Europas eine sehr beträchtliche Ausdehnung erfährt. So dehnt sie 
sich in Mitteldeutschland während des ungefähren Beginns der Ernte 
zeit bis auf etwa 17 Stunden aus, um noch beim Schluß der haupt 
sächlichsten Erntearbeiten eine Dauer von beinahe 14 Stunden zu 
erreichen. Berücksichtigen wir demgegenüber, daß die Dauer der 
für Arbeiten im Freien ausreichenden Helligkeit beispielsweise in dem 
ebenfalls auf Landwirtschaft, wenn auch nicht auf Feldbau ange 
wiesenen Südwestafrika in der mittleren Breite des Landes (etwa im 
Hauptorte Windhuk) sich während der Hauptwachstumszeit auf nur 
etwa 13 Stunden beschränkt und daß hier unter allen Umständen die 
mittleren Tagesstunden der Sonnenstrahlung wegen für anstrengende 
Körperarbeit unberücksichtigt bleiben sollen, so erkennen wir die 
Bedeutung gerade dieses geographischen Zuges für das Wirtschafts 
leben, der meines Wissens bisher außer von mir in wirtschafts 
geographischen Untersuchungen nirgends hervorgehoben worden ist. 
Wenn somit die Belichtung im Wirtschaftsleben für alle auf die 
natürliche Helligkeit angewiesenen Arbeiten bei der Erzeugung von 
Gütern eingehendere Beachtung verdient, so ist dem Feuchtigkeits.- 
gehalt der Luft wieder mehr eine lokale Bedeutung beizumessen. 
Innerhalb kleinerer, aber gleichwohl oft recht wichtiger Erdgebiete 
erreicht er dagegen nicht selten eine sehr große Wichtigkeit. Sein 
Einfluß äußert sich dabei keineswegs etwa nur in einer die Produktion 
fördernden Weise. Ueberall, wo etwa bei der Trockenhaltung be 
stimmter Gegenstände ein Uebermaß des Dampfgehaltes der atmo 
sphärischen Luft nachteilig ist, kann dieser einen sehr wesentlichen 
Einfluß auf die Produktion gewinnen. Es sei nur daran erinnert, 
daß in manchen Gegenden, wie an einzelnen Küsten, die Herstellung
	        
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