Buttermarke nur für Qualitätsproduktion, ohne Rücksicht darauf, ob
die Butter von landwirtschaftlichen Genossenschaften, Einzel-
erzeugern oder Handelsfirmen hergestellt wird. .
Im preußischen Landwirtschaftsministerium
fand Ende März eine Besprechung mit sämtlichen preußischen Land-
wirtschaftskammern statt zwecks Verbesserung und Vereinfachung
der Tätigkeit der Milchkontrollvereine und der Milchleistungs-
prüfungen, Als Ziel setzte man sich die Leistungssteigerung um 300
bis 400 Kilogramm Milch pro Kuh, Damit hofft man die Einfuhr
vom Auslande, die 1927 sich auf einen Wert von 500 Millionen Mark
belief, überflüssig zu machen, Um auch die bäuerlichen Betriebe
für das Kontrollverfahren zu gewinnen, will man die „preußische
Einfachkontrolle‘ einführen. Damit gesteht das preußische Land-
wirtschaftsministerium, daß die bisherige Tätigkeit der Milchkontroll-
vereine fast ausschließlich dem Großbesitz zugute kam.
Auch auf dem Gebiete der Schweine mast sind Bestrebungen
im Gange, eine Kontrollmarke für Standardware einzuführen. Nach
den Mitteilungen des Landwirtschaftlichen Genossenschaftsblattes
sind daran in erster Linie die Fabrikanten von Dauer-
fleischwaren interessiert, denn der Fabrikant braucht festen,
kernigen Speck, trockenes und derbes Fleisch von dunkelroter Farbe,
um eine schnittfeste geräucherte Wurst herzustellen, Wie sehr die
Beschaffenheit des Fleisches von der Art der verabreichten Futter-
stoffe. abhängig ist, beweisen die von Professor Lehmann veröffent-
lichten Tabellen. Für kontrollierte Markenschweine sind die
Fabrikanten bereit, höhere Preise zu zahlen. Auch hier also: höhere
Preise für kontrollierte Qualitätsware, d. h. Prämien für die
kapitalistischen Betriebe. Weder die kleinen Schweine-
mäster noch die breiten Konsumentenmassen haben von diesen
Aktionen irgend welchen Vorteil, da. sowohl Markenmilch wie
Markenschwein zu Sonderpreisen verkauft werden, also nur für die
wohlhabende Bourgeoisiebevölkerung erschwinglich sind. Daraus
erklärt sich auch das Streben nach forciertem Export, evtl. unter
Anwendung von Dumping, Nach Mitteilungen der „Allgemeinen
Fleischerzeitung‘ hat neben Hannover auch die Landwirtschafts-
kammer Ostpreußen Vorbereitungen getroffen zur Einführung eines
„Einheitsschweines‘, ‚auch „ideales Modenschwein‘” oder „deutsches
Edelschwein‘ genannt! .
In Hannover haben am 22. Juni 1928 Vertreter der Landwirt-
schaftskammer und der Kartoffelproduzenten die Schaffung einer
hannoverschen „Markenkartoffel' beschlossen, Es wurde ein „Ver-
band Hannoverscher Markenkartoffel e. V.” be-
schlossen. Die Landwirtschaftskammer gibt eine eigene, gesetzlich
geschützte Kartoffelmarke heraus, deren Führung ausschließlich Mit-
gliedern des Verbandes zuerkannt wird, Als „Markenkartoffel‘ gilt
ausschließlich die Speisekartoffel vom Typ der Sorte „Industrie‘
und die aus ihr hervorgegangenen Staudenauslesen. Die Marken-
kartoffeln müssen bestimmte Anforderungen an Größe, Trocken-
heit. Reinheit erfüllen. Die Kontrolle wird durch Beamte des Ver-