Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Politische Wirkungen der veränderten gesellschaftlichen Schichtung. 115 
rohen Pauschalsummen; eine wirkliche Reichssteuer ist erst unter 
Kaiser Sigmund begründet worden. 
In diesen fehlgeschlagenen Versuchen hat man einen der 
Hauptgründe für den Verfall des Königtums und des Staates 
im 13. Jahrhundert zu sehen. Doch wird man sich vergegen⸗ 
wärtigen müssen, daß nicht so sehr das persönliche Ungeschick 
der Könige, wie die soziale Entwickelung der Nation überhaupt 
zu diesem Ergebnis geführt hat. Jede allgemeine Steuer 
nivelliert; der Zug der sozialen Entwickelung vom 10. bis zum 
13. Jahrhundert war aristokratisch. Er baute Stand auf 
Stand, und er trennte die neuen Stände noch durch die 
Schranken vielfach abweichenden Rechtes. Wäre es da selbst 
einem starken Königtum möglich gewesen, eine gleichmäßig 
konstruierte und darum als im hohen Grade ungerecht em— 
pfundene Belastung der Nation durchzuführen? Eben indem 
die Nation eine vom Königtum nicht mehr beherrschte soziale 
Entwickelung einschlug, entriß sie ihm zugleich unwiederbringlich 
die finanziellen Mittel zu ihrer Beherrschung. 
Darum sehen wir dieselben Könige, welche gewaltig empor⸗ 
streben in großer That und machtvollem Schicksal, dennoch 
außer stande, die finanziellen Grundlagen der Monarchie zu 
festigen und zu erbreitern. Von Kaiser Heinrich DI., einem 
der mächtigsten aller Salierfürsten, hören wir zum erstenmal, 
daß er die deutsche Krone selbst, das Symbol seiner Herrschaft, 
versetzt habe!. Es kann das in augenblicklicher Zwangslage 
geschehen sein; indes neben solchen außerordentlichen Maßnahmen 
—DDD 
Kirchengut oder verschleierte Zwangsanleihen her; fast von An— 
beginn hat das deutsche Königtum vom Mark seiner Kräfte 
zezehrt. 
Ursprünglich werden freilich alle einschlägigen Maßregeln 
durch Zwischenschiebung der Kirche, deren Gut ja ebenfalls dem 
Reiche gehörte, maskiert: so hatten schon die karlingischen 
derrscher vornehmlich Kirchengut als Lehen an Große gegeben, 
Wenck, Hessische Landesgeschichte 8, 57.
	        
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