Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

66

tionalen  Markt  ein  Wettkampf  zwischen  annähernd  gleich  starken  Riesenunternehm ­
  ungen  mit  seinen  auf  die  Dauer  verderblichen  Folgen  bestehen.
Wiederum  würde  die  Parole  lauten:  Internationale  Konkurrenzregulierung
durch  Kartelle  oder  Zusammenschweißung  der  gleichartigen  Trusts  zum
Welttrust.  Den  letzten  Weg  —  eine  Zukunftsphantasie  —  hier  weiter  zu
verfolgen,  hat  wenig  Wert.  Wichtiger  ist  die  Frage,  wie  weit  das  Ideal  in
einem  begrenzten  Umfange,  etwa  innerhalb  eines  nationalen  Wirtschaftsgebietes ­
  durchführbar  ist.
Dem  horizontalen  Trust  stehen  keine  grundsätzlichen  Hindernisse  entgegen. ­
  Von  der  Entwicklung  und  Lage  des  Marktes,  von  dem  Organisationstalent ­
  der  maßgebenden  Persönlichkeiten,  von  der  Art  der  Kreditorganisationen ­
  und  der  Rechtordnung  wird  es  abhängen,  wie  weit  das  Ziel  erreicht ­
  wird.  Weit  größere  Schwierigkeit  bietet  die  Durchführung  des  Trusts,
der  auch  durch  vertikale  Kombination  auf  eigenen  Füßen  steht.  Je  länger
der  Produktionsweg  vom  Rohstoff  bis  zur  gebrauchsfertigen  Ware,  je
größer  also  die  Zahl  der  Produktionsstufen,  je  mannigfaltiger  die  notwendigen ­
  Rohstoffe  und  je  vielseitiger  die  Endprodukte,  desto  fraglicher  wird
das  Gelingen  der  Riesenorganisation.
Gibt  es  hier  nicht  Grenzen,  über  die  hinaus  eine  Durchführung ­
  der  vertikalen  Kombination  unmöglich  wird?  Es  ist
aufgefallen,  daß  sich  die  Maschinenfabriken,  Konstruktionswerkstätten,
Schiffswerften,  obgleich  sie  große  Mengen  Kohlen  einerseits  und  Stahlprodukte ­
  andererseits  verbrauchen,  nicht  die  Vorstufen  der  Erzeugung
angliedern.  Produktionstechnische  Vorteile,  wie  sie  den  Stahlwerken  der
vertikale  Zusammenschluß  bot,  sind  allerdings  nicht  zu  erwarten.  Man  hat
zur  Erklärung  darauf  hingewiesen,  daß  z.  B.  eine  Maschinenfabrik  nicht
das  ganze  Produktenquantum  einer  Kohlenzeche  oder  eines  Stahlwerkes
verbrauchen  könne  oder  seine  Produktion  ganz  erheblich  ausdehnen  müsse..
Die  Schwierigkeit,  die  Produktionsgröße  der  einzelnen  Stufen  aufeinander
abzupassen,  sei  also  das  Hindernis.  Dieses  Moment  fiel  bei  einem  Trust
der  Maschinenbauindustrie  fort,  aber  auch  für  ein  Unternehmen  von  geringeren ­
  Dimensionen  als  ein  Trust  wäre  die  Anpassung  kein  unüberwindliches ­
  Hindernis,  zumal  in  Deutschland,  wo,  wie  Wiedenfeld  betont,  die
Maschinenbauindustrie  bereits  eine  ausgeprägte  Exportindustrie  geworden
ist.  Außerdem  liegt  auch  kein  Nachteil  darin,  wenn  ein  Teil  der  Vorprodukte ­
  verkauft  wird.  Unsere  großen  kombinierten  Stahlwerke  sind
auch  mit  einer  mehr  oder  minder  großen  Menge  ihrer  Kohlen-,  Koks-,
Roheisen-  und  Rohstahlerzeugung  auf  den  Markt  angewiesen.  Sie  setzen
keineswegs  nur  Endprodukte  ab.
Wiedenfeld  glaubt  den  Grund  der  geringen  Entwicklung  vertikaler
Kombinationen  in  manchen  Industriezweigen  wie  z.  B.  auch  in  der  Maschi ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.