Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

Nationalökonomen  die  gleichen  Wege  und  unterscheiden  sich  nur  durch
die  verschiedene  Wahl,  die  sie  zwischen  beiden  treffen.
Bei  seiner  Untersuchung  der  Warenpreise  fällt  A.  Smith  besonders
ihre  unablässige  Beweglichkeit  auf.  Der  „gewöhnliche“  oder  „Marktpreis“ ­
  wird  von  einem  unsicheren  Umstande  beherrscht 1 ),  dem  „Verhältnis ­
  zwischen  Angebot  und  Nachfrage“,  oder  wie  er  an  einer  anderen
Stelle  sagt:  „nicht  von  einem  genauen  Maßstabe,  sondern  von  deifj  Dingen
und  Feilschen  im  Handel,  jener  rohen  Ausgleichung  gemäß,  welche  zwar
nicht  exakt  ist,  jedoch  für  die  Geschäfte  des  gemeinen  Lebens  hinreicht“ 2 ).
Es  erscheint  ihm  unmöglich,  daß  diese  beständigen  Veränderungen  den
wahren  Wert  der  Waren  ausdrücken.  Dieser  Wert  könnte  nicht  von  einem
Augenblick  zum  anderen  oder  von  einem  Orte  zum  anderen  verschieden
sein.  Es  handelt  sich  daher  darum,  unter  der  Beweglichkeit  des  Marktpreises ­
  einen  anderen  Preis  zu  finden,  den  Smith  bald  „wirklichen“,  bald
„natürlichen“  Preis  nennt.  Das  Problem,  unter  den  Preisschwankungen
etwas  Sicheres  und  Beständigereres  zu  entdecken,  ist  auch  heute  noch
die  große  Aufgabe,  deren  Lösung  der  reinen  Ökonomie  obliegt 3 ).
Die  erste  Hypothese,  die  Smith  ins  Auge  faßt,  ist  die,  daß  der  wahre
Wert  einer  Ware  von  der  Arbeit  bestimmt  sei,  von  der  Anstrengung,  die
ihre  Herstellung  gekostet  hat.  „Der  wahre  oder  Realpreis  eines  Dinges,
dasjenige  nämlich,  was  ein  Ding  dem,  der  es  sich  verschaffen  will,  wirklich
kostet,  ist  die  zu  seiner  Beschaffung  erforderliche  Mühe  und  Beschwerde  ..  •
die  Arbeit  ist  also  der  wahre  Maßstab  des  Tauschwertes  aller  Waren 4 ).“
So  ist  die  Arbeit,  d.  h.  die  Mühe,  die  auf  die  Herstellung  eines  Gegenstandes
verwendet  wird,  gleichzeitig  der  Ursprung  und  der  Maßstab  ihres  Tauschwertes. ­
  Hier  haben  wir  vom  „Vater  der  Nationalökonomie“  formuliert,
die  Theorie,  die  in  der  Arbeit,  in  der  menschlichen  Anstrengung,  die
Ursache  des  Wertes  sieht  (als  ob  man  von  einer  „Ursache  des  Wertes“

1)  Völkerreiehtum  I,  S.  31,  B.  I,  Kap.  VII.
2 )  Völkerreichtum  I,  S.  17,  B.  I,  Kap.  V.
3 )  Pareto  schreibt  in  einem  in  der  Ri  vista  di  Scienza  1907,  No.  2,  erschienenen
Aufsatz:  L’öconomie  et  la  Socioiogie  au  point  de  vue  scientifique:  „Unterliegt ­
  den  wirklichen  Preisen  der  wirklich  vollzogenen  Tauschhandlungen,  die  zeitlich
und  räumlich  einer  unendlichen  Menge  von  Zufälligkeiten  ausgesetzt  und  daher  veränderlich ­
  sind,  etwas  Beständigeres,  weniger  Veränderliches  ?  Das  ist  das  Problem,
das  die  Nationalökonomie  zu  lösen  hat!“
:  I)  Völkerreichtum  I,  S.  17,  B.  I,  Kap.  V.  In  Wirklichkeit  drückt  sich  SmitH
hier  so  aus,  als  ob  nach  seiner  Ansicht  der  Wert  eines  Gegenstandes  nicht  von  der  Arbeit,
die  seine  Herstellung  gekostet  hat,  sondern  von  der,  die  damit  zu  kaufen  ist,  bestimmt
wird.  Im  Grunde  genommen  laufen  aber  beide  Gedanken  auf  dasselbe  hinaus,  da  dm
Gegenstände  sich  als  gleicher  Wert  gegen  gleichen  Wert  tauschen.  Die  Arbeit,  die  man
mit  einem  Gegenstand  kaufen  kann,  ist  genau  gleich  der  Arbeit,  die  dieser  Gegenstand
gekostet  hat.  Smith  sagt:  „Sie  (die  Dinge)  enthalten  den  Wert  einer  bestimmten
Ouantität  Arbeit,  welche  man  gegen  etwas  vertauscht,  wovon  man  zurzeit  glaubt,
daß  es  den  Wert  einer  gleichen  Quantität  enthalte.“  (Ebenda.)
            
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